Zeugen wollen Mann erkannt haben

IS-Terror: Göttinger  an Selbstmordanschlag beteiligt?

IS-Propagandabild: Bei diesem Attentäter soll es sich möglicherweise um einen Göttinger handeln. Foto: IS/nh

Göttingen/Hannover. An einem Selbstmordanschlag im Irak mit Dutzenden Toten und Verletzten war möglicherweise ein Mann aus Göttingen beteiligt.

„Wir prüfen diesen Verdacht“, sagte am Dienstag der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover, Thomas Klinge.

Unterstützer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatten nach dem Anschlag am Samstag im Dorf Hadschadsch Fotos von vier Attentätern veröffentlicht. Zeugen haben einem Medienbericht zufolge auf den Bildern einen der Männer wiedererkannt. Es soll sich um einen vor etwa drei Monaten aus Göttingen Richtung Irak ausgereisten Mann handeln. Der Mann sei zuvor zum Islam konvertiert.

Bestätigen könne er dies bisher nicht, sagte Klinge. Seine Behörde habe aber entsprechende Ermittlungen eingeleitet. „Wir haben einen Göttinger, der im Verdacht steht, in den Irak ausgereist zu sein, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen“, sagte Klinge. „Möglicherweise ist dieser Mann bei dem Selbstmordattentat um Leben gekommen.“

Die irakischen Sicherheitskräfte hatten am vergangenen Samstag mitgeteilt, dass bei Selbstmordanschlägen an Kontrollpunkten in dem Dorf Hadschadsch nahe der Stadt Baidschi 14 Menschen getötet und 13 verwundet worden seien – unter ihnen sowohl Polizisten als auch schiitische Kämpfer.

Schiitenmilizen gehen in der Region gemeinsam mit der irakischen Armee gegen die sunnitischen IS-Extremisten vor. In Baidschi befindet sich auch eine heftig umkämpfte Erdölraffinerie.

Prävention und persönliche Beratung am Telefon

Im Landeskriminalamt Niedersachsen wurde Anfang 2014 die "Präventionsstelle Politisch Motivierte Kriminalität" ins Leben gerufen. Die neue Servicestelle ist für die Extremismusprävention innerhalb der Polizei und die Zusammenarbeit mit anderen Stellen, insbesondere den Schulen, zuständig. 

Im Bereich der Polizeidirektion Göttingen kann ein spezielles Medienpaket angefordert werden. Es soll in Schulen gezielt über die Gefahren des Salafismus aufklären und Lehrkräfte sowie junge Menschen sensibilisieren. 

Seit vielen Jahren gibt es einen gemeinsamen Dialog zwischen der Polizei und muslimischen Organisationen statt. Durch den persönlichen Kontakt gab es in Göttingen bereits gemeinsame Veranstaltungen.

„Trotzdem bleibt festzustellen, dass Präventionsansätze zur Verhinderung von Radikalisierungsansätzen junger Menschen immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe im sozialen Umfeld eines Menschen ist und nicht allein durch eine Institution zu leisten ist“, heißt es von der Polizeidirektion Göttingen. Weitere Infos gibt es hier.

Durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurde bereits 2012 ein „Beratungsnetzwerk Radikalisierung“ geschaffen. Das Beratungsnetzwerk kann genutzt werden, um individuelle Ängste mitzuteilen und Beratung zu suchen. 

Oftmals merken Angehörige, Freunde oder Lehrer, wenn sich junge Menschen verändern oder gar radikalisieren. Dort gibt es frühzeitig Rat und Unterstützung. 

Die Beratungsstelle in Niedersachsen ist unter Tel. 0511/700 520 40 zu erreichen.

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