UKG erwartet leichtes Minus für 2015

Jahresempfang der Universitätsmedizin mit Ministerpräsident Weil

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Fordert neue Uni-Kliniken-Finanzierung: Prof. Dr. Heyo Kroemer beim Jahresempfang der Universitätsmedizin Göttingen. 

Göttingen. Spät im Jahr lud die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) am Donnerstag zum Jahresempfang. Man sprach über künftige Bauarbeiten, Einsparungen und gedachte auch verstorbener UMG-Mitarbeiter.

Ehrengast vor gut 380 Gästen in der Mensa des Klinikums war Ministerpräsident Stephan Weil.

Zeichen im Foyer

Im Eingang des Klinikums wollten die Verantwortlichen ein Zeichen setzen: Eine Baustelle mit dem Schild „Hier baut das Land Niedersachsen...“ sollte dem Landeschef zeigen, wie überlebenswichtig die Neubauten für die UMG sind. Weil wusste das längst und betonte das in seiner Rede. Gleichwohl wurde er im Foyer auch abgelenkt: Verdi-Vertreter machten auf die Arbeitsbelastungen und die unzureichende Bezahlung in Pflegeberufen aufmerksam. Eine Ansicht, die Weil teilt: „Hier muss ich etwas tun“, sagte er später.

Bauarbeiten

Der Bauwagen im Foyer kündete davon: Bauarbeiten sind ein dominantes Thema in der UMG - für die nächsten Jahrzehnte. Das Land hatte noch unter Weils Vorgänger McAllister 2010 Zustimmung für das Riesen-Projekt, das 800 Millionen Euro verschlingen könnte, angekündigt. Der dreiköpfige UMG-Vorstand um Prof. Dr. Heyo Kroemer, Dr. Martin Siess und Dr. Sebastian Freitag, habe laut Kroemer auch von der aktuellen Landesregierung eine „Reihe von positiven Signalen“ vernommen, dass es 2016 losgehen könnte. Zwar brachte Weil kein Geld mit, das den Zeitpunkt fix machen könnte, doch sagte der Ministerpräsident, dass man - vorausgesetzt einer exakten Vorplanung - „Ende 2016 einen Baubeginn für den Abriss von Bettenhaus 1 haben könnte“. Auf diese Aussage hatten viele Gäste gewartet, applaudierten spontan.

Erfahrender Bauherr

Erfahrung mit Großbaustellen hatte ein bekannter Gast: Sartorius Vorstands-Chef Joachim Kreuzburg hörte aufmerksam zu. Zuvor hatte er den Ministerpräsidenten über die Baustelle am Sartorius Campus geführt, dort werden 500 Millionen Euro verbaut. Kreuzburg führte Weil aber auch über das Gelände am - bescheidenen - Sartorius-Stammsitz in der Innenstadt. „Da hat der Ministerpräsident gestaunt“, sagte Kreuzburg.

„Das“ UMG

Für Schmunzeln sorgte Weil mit der Artikelwahl vor der Bezeichnung UMG, Universitätsmedizin Göttingen: „Das“, „des“ und „dem“ UMG sagte Weil. Den richtigen Artikel verwendete der Ministerpräsident, der sich als Göttingen- und Südniedersachsen-Fan outete, aber nicht.

Einsparungen

Weniger gute Jahre stehen den Uni-Kliniken in Deutschland bevor. Die UMG erwartet für 2015 finanziell ein „leichtes Minus“ und auch kaum bessere Folgejahre, wie Kroemer sagte, der dafür die geforderte und von der Bundesregierung abgeschmetterte neue Finanzierungsstruktur verantwortlich macht. Auf einer Wellenlänge surfen dabei die Redner und Streiter für eine andere, solide Uni-Klinik-Finanzierung Kroemer und Weil. Unisono sagten sie, dass ein Maximalversorger Uni-Klinik mit hohen Personal- wie Infrastrukturkosten in der Finanzierung nicht wie ein Kreiskrankenhaus behandelt werden könne. Weil: Ein neues Finanzierungssystem sei mit dem Land zu machen, „aktuell aber nicht mit dieser Bundesregierung“. Kroemer sprach zwischen den Zeilen: Bundesgesundheitsminister Gröhe sei „an und für sich ganz vernünftig“.

Mitarbeiter

Heyo Kroemer stellte selbstbewusst mehrfach die UMG-Spitzenleistungen in der Forschung mit dem Leuchtturm Leibniz-Preisträger und Hörforscher Prof. Dr. Tobias Moser heraus, dazu auch die Leistungen des Gebäudemanagements. Die Leistungen in der Krankenversorgung standen nicht so im Fokus. Aber: Er zollte allen Beteiligten Wertschätzung: „Der größte Schatz sind unsere Mitarbeiter.“

Gedenken

An eine besondere Mitarbeiterin erinnerte Kroemer explizit: Dr. Sabine Quentin, hoch engagierte UMG-Qualitätsbeauftragte und ehrenamtliche Helferin in der Palliativversorgung, war im Februar an den Folgen eine Gasexplosion im UMG-Blutspendezentrum gestorben. „Wir werden sie nicht vergessen“, sagte Kroemer, „ihr Schicksal führt uns die Vergänglichkeit vor Augen.“ Eine Vergänglichkeit, die in einem Uni-Klinikum trotz aller Pläne und Zahlen immer vorhanden ist.

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