Die meisten stammen aus Russland

Jeder fünfte Handwerks-Lehrling hat einen Migrationshintergrund

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Auszubildender mit Migrantenhintergrund: Das Foto für das Bildungsprogramm 2015 entstand in der Werkstatt der Autolackierer in den Berufsbildungszentren Hildesheim-Göttingen.

Göttingen. Fast jeder fünfte Auszuzubildende in südniedersächsischen Handwerksbetrieben hat einen Migrationshintergrund.

Das hat eine repräsentative Blitzumfrage der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen ergeben.

Wie die Handwerkskammer berichtet, hatten sich 260 von 1394 angeschriebenen Betrieben an der Umfrage beteiligt. Von den 656 Auszubildenden in diesen Betrieben haben 123 einen Migrationshintergrund. Aktuell bildeten sogar 32 Prozent der Handwerksbetriebe in den Städten Hildesheim, Göttingen, Northeim, Osterode, Holzminden und Einbeck sowie den angrenzenden Landkreisen Jugendliche aus, die selbst oder deren Vorfahren aus einem anderen Staat eingewandert sind.

Mit diesen Zahlen widerspricht die Handwerkskammer einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, die im Januar unter der Überschrift „Migrationshintergrund erschwert die Suche nach Ausbildungsplatz“ in vielen Medien zitiert worden war.

Laut Handwerkskammer haben Betriebe in Südniedersachsen Lehrverträge mit Jugendlichen aus vielen Ländern abgeschlossen: Russland (26 Auszubildende), Türkei (22), Polen (17). Weitere Auszubildende stammen aus Bosnien, aus dem Kosovo, aus der Ukraine, aus Portugal, Tschechien, Serbien, Kasachstan, den Niederlanden, Italien, Frankreich, Montenegro, Angola, Libanon, Libyen, Simbabwe, Irak, Iran, Syrien, Afghanistan, Armenien, Thailand und Vietnam.

„Aus seiner langen Tradition der Gesellen-Wanderschaft heraus hat das Handwerk Migration stets als Bereicherung verstanden“, betont Handwerkskammerpräsident Delfino Roman. „Ich selbst trage den Namen Delfino und schon mein Großvater und Vater trugen den gleichen Vornamen. Meine Vorfahren sind Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen einer Zuwanderungswelle von Bauhandwerkern von Norditalien nach Hildesheim gekommen.“ Für das Handwerk sei der Austausch mit Menschen anderer Länder und Kulturen schon immer Impuls für Weiterentwicklung, Qualifizierung und Innovation gewesen.

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