Jobakademien jetzt überall im Landkreis Göttingen

Jobakademie nach Mündener Vorbild: Links vorn Hanifah Misdaq, die sich als zahnmedizinische Fachangestellte bewirbt, mit Coach Sarah Sauerwald, rechts Landrat Bernhard Reuter.   Foto: Papenheim

Göttingen. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt in Hann. Münden bietet das Jobcenter Landkreis Göttingen jetzt Jobakademien für Langzeitarbeitslose im gesamten Kreisgebiet an. Göttingens Landrat Bernhard Reuter stellte das Vorhaben am Dienstag vor.

Parallel zur individuellen Betreuung in ihrem Jobcenter unterstützen sich in der Jobakademie Erwerbslose gegenseitig bei Stellensuche und Bewerbung und werden dabei von zwei bis drei Trainern betreut. Jede Gruppe zählt bis zu 16 Kunden, die über einen Zeitraum von zwei Monaten mindestens drei Termine wöchentlich wahrnehmen müssen.

Von 323 Erwerbslosen, die von Juni 2013 bis Ende Mai 2014 im Mündener Modell dabei waren, fanden 202 eine Stelle, was einer Integrationsquote von 62,5 Prozent entspricht. Reuter: „Wir setzen sehr stark auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen. Das bringt schnellen Erfolg.“

Die Jobakademie Hann. Münden wurde nach der Pilotphase zum Dauerangebot. Seit Anfang 2015 gibt es auch im Jobcenter Göttingen-Land eine Jobakademie. In Kürze folgt das Jobcenter Stadt Göttingen und Mitte des Jahres das Jobcenter Duderstadt. Pro Gruppe stellte der Landkreis eine zusätzliche Betreuungskraft ein. Weitere Trainer wurden durch Umorganisation für ihre neue Aufgabe freigestellt.

Um die hohe Integrationsquote zu erreichen, betont Frank Meyer als Leiter des Jobcenters Göttingen-Land, muss zur Motivation der Stellenbewerber noch eine zweite Voraussetzung erfüllt werden: „Wir brauchen die enge Zusammenarbeit mit den Arbeitgeber. Freie Stellen müssen umgehend bei uns eingestellt werden. (p)

Spitzenwerte für das Jobcenter

Göttingen. Obwohl das Jobcenter Landkreis Göttingen sowohl im Landes- als auch im Bundesvergleich Spitzenwerte vorweisen kann, sieht Göttingens Landrat Bernhard Reuter keinen Grund zur Selbstzufriedenheit: „Die Zahl der Erwerbslosen ist immer noch zu hoch.“

Zusammen mit Jobcenter-Chefin Gabriele Bock rechnete Reuter am Dienstag in Göttingen vor, dass die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten bis September 2014 im Jahresvergleich von 13 200 auf 12 500 verringerte, was einem Rückgang um fünf Prozent entsprach. Landesweit war es nur ein Prozent. Damit lag Göttingen auf Rang 2 der 46 Jobcenter in Niedersachsen. Besser war nur das Jobcenter in Osterode, das im Zuge der Kreisfusion künftig bekanntlich auch zum Landkreis Göttingen gehört. Im Vergleich mit bundesweit 43 Jobcentern mit ähnlichen Strukturen lag Göttingen sogar an erster Stelle.

Die gleichen Ranglistenplätze belegte Göttingen beim Rückgang der Leistungen zum Lebensunterhalt um 800 000 Euro oder 2,3 Prozent. Ein Jahr zuvor mussten dafür noch 34,8 Millionen Euro aufgewandt werden.

Die Zahl der Haushalte mit Leistungsempfängern (Bedarfsgemeinschaften) verminderte sich um etwa fünf Prozent auf 9500. Auch damit lag Göttingen auf Rang 2 in Niedersachsen. In diesen Bedarfsgemeinschaften lebten 12 500 Erwerbsfähige sowie 4800 Kinder und nicht erwerbsfähige Angehörige. Aus Sicht von Reuter sind das immer noch viel zu viel: „Das ist jeder 15. Einwohner des Landkreises. Eine enorme Zahl.“ Trotz der schwierigen Biografie vieler Leistungsempfänger werde sich das Jobcenter niemals damit begnügen, Arbeitslosigkeit nur zu verwalten: „Unsere Kernaufgabe bleibt, die Menschen wieder im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Mit 3250 Personen, die in Arbeit vermittelt wurden, erreichte das Jobcenter Göttingen eine Integrationsquote von 25 Prozent und lag damit im Mittelfeld. Bei der nachhaltigen Integration dagegen belegten die Göttingen landes- und bundesweit den Spitzenplatz: 2112 Menschen waren nach einem Jahr immer noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt, selbstständig tätig oder in Ausbildung. Das entsprach einer Quote von über 65 Prozent.

Reuter und Bock ist klar, dass allein der Einsatz der 150 Jobcentermitarbeiter und die Motivation der Stellenbewerber nicht genügen. Grundvoraussetzung ist, dass Unternehmen freie Stellen anbieten. Reuter zeigt sich optimistisch: „Der zunehmende Fachkräftemangel und die demografische Entwicklung spielen eine enorme Rolle.“ (p)

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