Auch Göttingen ist Charlie: Journalisten am Info-Stand

Göttingen. Mit zwei Ansichtsexemplaren und ausgedruckten Seiten informierten Göttinger Journalisten viele Bürger und standen für Fragen über die Bedrohung der Pressefreiheit bereit.

„Ich sehe die Pressefreiheit hier in Deutschland zwar nicht bedroht, aber ich bin trotzdem dankbar, dass ich überhaupt an so einem Charlie-Hebdo-Stand stehen darf, ohne morgen eingeknastet zu werden und deswegen bin ich hier“, sagte die Göttinger Autorin Conny Hiller. Ursprünglich wollten Göttinger Journalisten aus Rundfunk und Zeitung am Stand Exemplare der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo verkaufen, doch nur wenige Exemplare waren überhaupt nach Deutschland gekommen.

Wegen Lieferengpässen beim Grossisten gab es am Stand der Göttingern Journalisten nur Ansichtsexemplare und zwei ausgedruckte Versionen, der pdf-Datei. Der Andrang am Stand vor dem Gänseliesel war trotzdem groß. Einige waren sogar aus Hannover, Kassel und Witzenhausen nach Göttingen gefahren, da sie von der Aktion mitbekommen hatten – und enttäuscht, dass keine Exemplare zu bekommen waren, erzählte Christel Wolff aus Kassel: „Ich hatte im Rundfunk davon gehört und wollte ein Exemplar kaufen. Jetzt habe ich nur mal durchgeblättert, um mir ein erstes Bild zu verschaffen und hoffe, dass dann nächste Woche auch Exemplare auf Deutsch nachkommen.“

Auch Thomas Kopietz und Christoph Papenheim aus der Göttinger HNA-Redaktion sammelten am Stand Spenden für die Organisation Reporter ohne Grenzen und diskutierten mit den Standbesuchern. „Wir wollen zeigen, dass das Attentat in Paris auf die Redaktion nicht nur ein singuläres Ereignis war, sondern dass die Pressefreiheit auf der ganzen Welt bedroht ist“, Heidi Niemann. Daher müsse man immer wieder für diese Errungenschaft kämpfen.

Immer wieder wurden auch Stimmen laut, die sich mit dem Inhalt der Zeitung nicht einverstanden zeigten: Von Sexismus und für Religionsgemeinschaften verletzenden Inhalten in der Zeitschrift war die Rede, aber auch davon, dass gerade dann Demokratie und Meinungsfreiheit aufrecht erhalten werden müssten, wie man am Beispiel von Belgien sehe. „Über Humor, auch im Fall von Charlie Hebdo lässt sich streiten, aber über Pressefreiheit nicht – das sollte für alle Menschen zu den Grundrechten gehören“, sagte Unterstützerin Hannah Rudolph. Die Organisatorinnen Heidi Niemann und Sybille Bertram (Radio FFN) waren am Ende sehr zufrieden ob der vielen Besucher am Stand - der vor dem Alten Rathaus - passend - eingebettet wer in den Französischen Markt. "Die Aktion hat sich gelohnt, mit so vielen Besuchern habe ich nicht gerechnet", sagt Bertram. (zli)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.