JT-Intendant fordert mehr Fördergeld, sonst ist Bestand gefährdet

Kasse wieder mehr gefragt: Das Junge Theater Göttingen (JT) stellte das neue Programm vor und zog eine Spielzeit-Bilanz. Die Zuschauerzahlen sind gestiegen. Darüber freuen sich von rechts: Tobias Sosinka (Künstlerische Leitung), Nico Dietrich (Intendanz) und Stephanie Winter (Öffentlichkeitsarbeit). Im von einem Grass-Sohn gebauten Kassenhäuschen sitzt Lena Rieseweber. Foto: Kopietz

Göttingen. Etwa 2000 Besucher mehr kamen in der Spielzeit 2014/15 als im Vorjahr in das Junge Theater (JT) Göttingen. Der Intendant, Nico Dietrich, bezeichnet die finanzielle Situation als stabil.

Und das ist für Dietrich, der seine erste Spielzeit im JT erlebt, eine durchweg positive Bilanz, auch, weil die Bedingungen schwierig waren. „Wir sind ja aus dem Nichts gekommen, konnten keine fertigen Stücke mit in die wirtschaftlich wichtigen Monate September bis Dezember 2014 nehmen.“ Die „Rückserie“ ab Januar 2015 habe aber deutliche und erfreuliche Zuschauerzuwächse gebracht. Etwa 24 000 Besucher, darunter immer mehr aus dem Landkreis und darüber hinaus, kamen ins JT. Bei den Schülerbesuchen gab es ein Plus von 6000.

Das war nicht immer so, geschüttelt von finanziellen Unregelmäßigkeiten und zuletzt durch personelle Wechsel auf Intendant- und Dramaturg-Position zeigt sich Dietrich bodenständig: Man müsse die Zuschauerzahlen weiter verbessern und mehr Fördergeld für den Betrieb einwerben.

Diesbezüglich habe man sich reingehängt, und es seien Erfolge zu verzeichnen: Für Theaterprojekte wurden im ersten Dietrich-Jahr 183 000 Euro für Projekte und Investitionen eingeworben.

Sorgen bereitet auch das Gebäude, in dem das JT beheimatet ist. Das „Otfried Müller Haus“ am Wochenmarkt ist in einem schlimmen Zustand. Immerhin: 135 000 Euro für neue Fenster sind jetzt bewilligt. Gespräche über Zuschüsse mit Stadt, Land und Kreis liefen und seien vielversprechend, erzählt Dietrich, der aber auch ungeduldig hinzufügt: „Langsam müssen aus den Worten auch Taten werden.“ Der Intendant jammert aber nicht, spricht aber seine Sorgen aus: Auch durch die Sparauflage im städtischen Haushalt von 40 000 Euro pro Jahr sei der JT-Betrieb ohne strukturelle Hilfe nicht möglich. „Ohne Hilfe von Außen geht es nicht weiter.“ Für eine Weiterentwicklung benötige man langfristige Zusagen aus der Politik, von Stadt, Landkreis und Land.

Auch der Sparfaktor Kooperation mit dem Deutschen Theater bei gemeinsamen Produktionen habe sich als nicht effektiv erwiesen. „Wir teilen die Eintrittsgelder, am Ende bleibt nichts übrig. Das ist ein Zuschussgeschäft und betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll“, bilanziert Dietrich. Gemeinsame Produktionen mit überschaubarem finanziellen Aufwand wird es aber weiter geben. „Grundsätzlich stehen wir zu der Zusammenarbeit.“

Stellvertretend für vieles im JT stehen die Titel der Programme: 2014/15 hieß es „Aufbrüche, Umbrüche“. 2015/16 lautet der Titel „Als wir träumten“. Dietrich: „Also lassen sie uns träumen von einem neuen, besseren Morgen.“

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