Interview mit dem Grünen-Abgeordneten

Jürgen Trittin kündigt harte Verhandlungen an

Mit klarem Blick voraus: Jürgen Trittin hat klare Vorstellungen für eine Koalition und Verhandlungen in Berlin. Foto: Jelinek

Göttingen. Jürgen Trittin wollte und musste am Sonntag in Berlin sein. Trittins Statements waren  gefragt. Wir sprachen mit ihm am Wahlabend.

Was macht das Bundestagswahlergebnis für Sie aus?

Jürgen Trittin: Das ist ein dramatisches Ergebnis. Zum ersten Mal ziehen offene Rassisten und völkische Nationalisten in den deutschen Bundestag ein. Und das geht einher mit einer dramatischen Schwächung der CDU/CSU wie der SPD. Das ist die große Herausforderung, vor der wir jetzt stehen. Wir Grünen haben ein ordentliches Ergebnis im Schlussspurt erzielt, auch wenn wir unser Ziel, zweistellig und dritte Kraft zu werden, verfehlt haben.

Sehen Sie dieses Ergebnis für CDU/CSU und SPD mit Häme?

Trittin:Warum soll ich dieses Ergebnis mit Häme sehen? Die Tatsache, dass wir jetzt Menschen im Parlament haben, die tatsächlich mögliche Rassisten und Nationalisten sind, kann einen nur mit Sorge erfüllen. Selbstverständlich ist die Große Koalition für ihre Politik hier ein ganzes Stück abgestraft worden und die CDU/CSU im Besonderen. Das ist zum Teil selbst verschuldet. Wer versucht, durch das Besetzen von rechten Themen die Rechten zu schwächen, der erlebt immer wieder, dass die Leute das Original wählen. Leider hat sich das Plakat der AfD bewahrheitet: „Wir halten, was die CDU nur verspricht“ ist für viele ein überzeugendes Argument gewesen.

Worin besteht die Chance für demokratische Parteien? Würden Sie diese auch in einer Regierungbeteiligung suchen?

Trittin: In dieser Situation haben alle demokratischen Parteien, sprich CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und Linkspartei die Pflicht, sich Gedanken zu machen, wie wir dieses Gemeinwesen vernünftig regieren, ohne dass die Rechten gestärkt werden oder sie mittelbar Einfluss auf die Politik nehmen. Wenn die CDU/CSU als stärkste Kraft den Regierungsauftag hat, auf uns zukommt, dann werden wir ernsthaft sondieren. Wir sagen aber auch, diese Sondierungen werden schwierig werden. Wir werden über die ganze Bandbreite unserer zehn Punkte für ein gutes Regieren verhandeln.

Was bedeutet das in einer Jamaika-Koalition?

Trittin: Die CDU muss ökologischer werden, die FDP muss sozialer werden und die CSU muss liberaler werden. Das ist die Grundrichtung, die man braucht, um ein Kontrastprogramm für die AfD hinzubekommen.

Was müssten die Grünen werden?

Trittin: Wenn wir in die Koalition hineingehen, werden wir nicht alle unsere Positionen durchsetzen können. Aber wir brauchen eine klare Richtung für Klimaschutz, Gerechtigkeit und Liberalität. Das ist unsere Voraussetzung.

Zum persönlichen Ergebnis im Wahlkreis Göttingen. Sind sie zufrieden?

Trittin: In Göttingen sind wir bei rund 16 Prozent, das ist doch sehr ordentlich. Bei den Zweitstimmen im Wahlkreis haben wir das Bundes-Ziel erreicht, wir sind dritte Kraft, und zweistellig ebenfalls. Über die Erststimmen habe ich mich gefreut, obwohl ich immer im Wahlkampf gesagt habe: Für uns Grüne entscheidet die Zweitstimme, die die Zusammensetzung des Bundestages bestimmt. Ich muss auch zur Kenntnis nehmen: Dass die CDU bei den Zweitstimmen im Wahlkreis vor der SPD liegt, aber Thomas Oppermann den Fritz Güntzler geschlagen hat. Dazu gratuliere ich ihm.

Es wird gemunkelt, dass Jürgen Trittin nun noch einmal Minister werden könnte?

Trittin:Nun muss sich erstmal die Kanzlerin entscheiden, ob und mit wem sie weitermachen will. Wir werden dann sehr ernsthaft verhandlen. Das wird ein sehr sehr schwieriger Prozess mit offenem Ausgang.

Also sind auch Sie persönlich offen für Entwicklungen?

Trittin:Ich habe es immer so gehalten, dass ich die Aufgaben mache, die ich angehe. Es hilft nicht, sich jetzt Gedanken zu machen, was man wird, sondern darüber, was man hinbekommt.

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