Fotoausstellung

Jugendwerkstatt Göttingen: Ungerade Biografien und neue Chancen

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Protagonisten der Ausstellung „Risse“: (von links) Marlies Wirdel, Christoph Schmidtmann, Shayan Hamdi, Alexander Rasch, Mara Kernke, Leon Schmitz und Diana Datciuk.

Sie zeigen „ungerade“ Biografien und vermitteln, dass in jedem Scheitern auch eine Chance stecken kann: Teilnehmer der Göttinger Jugendwerkstatt „Media Office“ haben eine besondere Fotoausstellung unter dem Titel „Risse“ konzipiert und erstellt, die im Jobcenter Jugend der Göttinger Agentur für Arbeit zu sehen ist.

Der Titel vereint in einem Wort, worum es geht – sowohl bei der Darstellungsform, als auch beim Inhalt, der vermittelt werden soll: Die Teilnehmer haben ihre Selbstporträts mit Photoshop bearbeitet und so Risse im Gesicht entstehen lassen. Daneben hängen zwei weitere Selbstporträts, um die positive Entwicklung der Person sichtbar zu machen. Begleitet werden die Fotos von persönlichen Statements wie: „Meine Risse definieren mich nicht, aber ich bin stolz auf das, was ich aus ihnen gelernt habe.“

In der Eröffnungsrede zur Ausstellung thematisieren die Teilnehmer Schwierigkeiten und Probleme, mit denen manchmal bereits junge Menschen zu kämpfen haben. All diese Hindernisse hinterlassen Spuren in der Seele der Menschen, die auf den Bildern als Risse dargestellt werden. Ein Teilnehmer sagt: „Es ist gut, dass nicht jeder Lebensweg gerade verläuft.“ Gerade aus schwierigen Erfahrungen entwickelten sich neue Ideen und Perspektiven.

Diese neuen Lebensperspektiven für die Jugendlichen der Beschäftigungsförderung Göttingen (BFGoe) werden vor alllem in dem jeweils dritten Bild der Dreier-Serien sichtbar: Diese Fotos zeigen die Teilnehmer als zufriedene und glückliche Menschen. Und das nicht von Ungefähr. So haben fast alle Beteiligten von der „Media Office“ (eine der fünf Jugendwerkstätten der BFGoe) auch dank dieses Projektes eine Anschlussperspektive – schulische oder berufliche Ausbildung oder längere Praktika – gefunden.

Sigrid Kleiß, Abteilungsleiterin für Jugendwerkstätten und -projekte bei der BFGoe, zeigte sich „beeindruckt, wie die Jugendlichen ihre eigene Biografie verarbeitet haben. Das hat mich sehr berührt.“ Zunächst war die Ausstellung in eigenen Räumlichkeiten der BFGoe zu sehen, doch das Projekt, das im Sommer 2019 begann, habe sich so gut entwickelt, dass es einer breiteren Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden sollte. Das Jobcenter bot sich als Ausstellungsort an, weil „hier auch viele Leute Brüche in ihren Biografien haben. Außerdem kommen viele unserer Teilnehmer von hier“, erklärt Kleiß.

Auch andere Abteilungen der Jugendwerkstätten waren beteiligt, wie Sozialpädogin Stefanie Bähr, erklärt. Etwa die Metallwerkstatt, die die Stellwände für die Ausstellung selbst entwickelt und hergestellt haben, oder die Produktionsschule. Auch das Catering zur Ausstellungseröffnung übernahmen Jugendliche von der BFGoe. Projektplanung, -umsetzung, die Eröffnungsrede und was sonst noch alles dazugehört – das alles erledigten die Teilnehmer in Eigenregie.

Arasch Zandieh, Fachleiter des „Media Office“, erklärt die Zielsetzung des Projekts: „Die Teilnehmenden sind total integriert in ihr Projekt und dürfen auch Fehler machen, aus denen sie dann lernen. Sie sollen Motivation mitnehmen für ihren späteren Werdegang.“

Und dieses Ziel wurde mit der Fotoausstellung „Risse“ definitiv erreicht, wie Aussagen der Jugendlichen zeigen: „Es hat einfach Spaß gemacht“, sagt etwa Christoph Schmidtmann, der mit „voller Motivation“ für seinen weiteren Lebensweg aus diesem Projekt herausgeht. Leon Schmitz hat gelernt, dass „niemand perfekt ist“, als Zuständiger er für die Datenverarbeitung aber auch, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen.

Von Andreas Arens

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