Julius Ruben Napp gewinnt ersten Göttinger Orgel-Slam über Bach-Choral

Orgel-Slam in der St. Johanniskirche: An der Barockorgel der St. Johannis nahmen Sieger Julius Ruben Napp (hinten, 19) und Matthias Steinmetz (23) Platz. Foto: Brüßler

Göttingen. In der gut besuchten Göttingen St. Johanniskirche fand der erste musikalische Improvisationswettstreit an der Orgel statt. Julius Ruben Napp entschied nach Publikumsentscheid den Orgel-Slam für sich.

Robert Schneiders Roman „Schlafes Bruder“ gab die Anregung zum ersten Veranstaltung dieser Art in Göttingen: In dem Roman treten junge Musiker an der Orgel im Dom der fiktiven Stadt Feldberg gegeneinander um die Gunst des Publikums an. In Göttingen sind es Studierende, die auf der Barockorgel der St. Johanniskirche über einen Choral improvisieren, der ihnen zwei Wochen vorher genannt wurde. Am Ende entscheidet wie beim Vorbild Poetry-Slam das Publikum über den Sieger.

„Ich saß mit Studierenden im Wohnheim zusammen und wir überlegten, wie man das Instrument Orgel in den Mittelpunkt rücken kann. Dann ist uns der Roman eingefallen und die Idee war geboren“, erzählt Peter Paul König, Leiter der Katholischen Hochschulgemeinde Göttingen, die den Wettbewerb initiiert hatte. In drei Runden kämpften die Teilnehmer um den Sieg: Bei der Improvisation des Bach-Chorals „Komm o Tod du Schlafes Bruder“ kam es auf die Kreativität an. In der zweiten Disziplin auf die saubere Ausführung eines Stücks aus der Orgelliteratur. In der dritten Runde entschied das Publikum, welches Lied aus dem Gesangbuch die Organisten vertonen mussten. Pro Runde vergab das Publikum drei Punkte.

So standen sich der Göttinger St. Johanniskirche der 19-jährige Julius Ruben Napp und sein Konkurrent, Agrarwissenschafts-Student Matthias Steinmetz, gegenüber. Steinmetz spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Klavier und bereits seit acht Jahren Orgel. Napp hat sich das Orgelspiel autodidaktisch beigebracht: „Für mich war das Literaturstück das Schwierigste, weil ich eher der Improvisator bin und mir das freie Spiel Spaß macht.“ Der ehemalige Schlagzeuger hatte sich im Alter von dreizehn Jahren eine Orgel ersteigert und sich das Spielen selbst zuhause beigebracht.

Im Vorfeld hatte die Organisator Schwierigkeiten, Teilnehmer zu finden. Für Matthias Steinmetz war jedoch schnell klar, dass er mitmachen würde: „Ich finde es gut, den Menschen die Orgel näher zu bringen, weil sie so viele Menschen nur mit etwas Verstaubten in Verbindung bringen - dem will ich entgegenwirken.“

Am Ende hatte Napp die Nase vorn und siegte in den Kategorien „Improvisation“ und „Gesangbuchstück“. Als Meister der Orgelliteratur zeichnete das Publikum aber Steinmetz aus.

Gelungene Aktion

Mit etwa fünfzig Besuchern in jedem Fall eine gelungene Veranstaltung der Katholischen Hochschulgemeinde, die nach einer Wiederholung ruft: „Ich glaube ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass wir es noch mal probieren wollen - in einem etwas geändertem Format und mit etwas mehr Teilnehmern, aber an der Idee halten wir fest“, so König. (zli)

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