Junge Geflüchtete erzählen in einem Film ihre Geschichten

Film über Flucht-Schicksale: Regisseur Lars Wätzold (hinten in der Mitte), BBS III-Schulleiterin Maria Harberding (links) und Landrat Bernhard Reuter (rechts) mit den Teilnehmern des Filmprojekts „Alle gleich/Alle anders“. Foto: Schröter

Göttingen. In einem Filmprojekt von Regisseur Lars Wätzold haben Schülerinnen und Schüler der Berufsbildenden Schulen (BBS) am Ritterplan ihre persönlichen Geschichten erzählt.

Es geht um sozialen Absturz, um Krieg, um Behinderung und um Migration. Wie prägt diese Lebenserfahrungen junge Menschen, wie gehen sie damit um?

„Alle gleich/Alle anders“ lautet der Titel des 25-minütigen Films, in dem elf junge Menschen unterschiedlicher Herkunft in eindringlicher Weise von ihren persönlichen Schicksalen berichten.

Einer von ihnen ist der 21-jährige Afghane Ulfatullah, der auf seiner Flucht vor Krieg und Zerstörung 48 Stunden unter einem Lastwagen hängend verbracht hat, um über eine Grenze zu kommen.

Eine andere, die 20-jährige Rumänin Florentina, musste mit ihrer Familie immer wieder in andere Länder ziehen, damit der Vater überhaupt arbeiten konnte.

Der 18-jährige Elias, der am Down-Syndrom leidet, erinnert sich wehmütig an seinen Opa, der an Blutkrebs erkrankte und daran starb.

Der ebenfalls 18-jährige Batuhan erzählt wie es war, als Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter aufzuwachsen.

„Meine Idee war es, geflüchtete und deutsche junge Menschen über das Geschichte erzählen zueinander zu führen“, sagt Regisseur Lars Wätzold. Das habe auch perfekt funktioniert.

„Ich habe noch nie einen derartigen Zusammenhalt wie in dieser Gruppe erlebt“, sagt Wätzold. Seinen Plan, einen Spielfilm zu drehen, habe er allerdings schnell fallen lassen müssen. „Dafür war die Projektzeit von zwei Wochen einfach zu kurz.“

Glücklicherweise hätten die elf Teilnehmer, die bewusst aus verschiedenen Klassen und Schulformen – auch aus der Sprachförderung – ausgewählt wurden, irgendwann von selbst angefangen, ihre Geschichten zu erzählen. So sei ein biographischer Film entstanden, der von Teilhabe, Integration und Inklusion erzählt.

„Eigentlich habe ich immer ein Problem damit, meine Geschichte zu erzählen“, sagt der 17-jährige Ahmad Zia, der aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet ist. Besonders hart sei es für ihn, über seine tote Schwester zu sprechen und über seine Familie, zu der er keinen Kontakt mehr habe. Aber für „so ein tolles Filmprojekt“ habe er es doch sehr gerne gemacht.

„Ich finde, das ist ein sehr, sehr eindrucksvoller Film geworden“, lobte BBS III-Leiterin Maria Harberding. „Deshalb würde ich mir auch sehr wünschen, dass er viele Menschen erreicht.“

Weil der Film mit dem Song „Mein Name ist Mensch“ der Band „Ton Steine Scherben“ unterlegt ist, müssten zunächst einmal die Rechte geklärt werden. „Danach könnte ich mit vorstellen, dass der Film an Wettbewerben teilnimmt oder in einem Göttinger Kino als Zugabe nach dem Hauptfilm gezeigt wird“, wünscht sich Harberding.

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