Jungen Patienten schneller heilen

Göttingen bekommt Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit

Eine Dame mittleren Alters mit schulterlangen, dunklen Haaren, steht in einem Korridor, in dem Kinder laufen.
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Froh über die Entscheidung: Prof. Dr. Jutta Gärtner, Direktorin der Kinder- und Jugendklinik an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat es geschafft: Göttingen wird Standort für Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendkrankheiten.

Jutta Gärtner hat sich seit Jahren für das Projekt stark gemacht, wie für die Kinder- und Jugendmedizin generell. Jetzt wird die Kinder- und Jugendmedizin am Standort aufgewertet.

Göttingen – Die Universitätsmedizin (UMG) und Partner am Göttingen Campus bilden ein Deutsches Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit (DZKJ).

Göttingen wurde aus 23 Bewerbungen ausgewählt, wie die Standorte Berlin, Greifswald, Hamburg, Leipzig, München und Ulm.

In diesen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern geförderten Zentren stehen besonders häufige Volkskrankheiten im Kinder- und Jugendalter im Fokus der Forschung und Behandlung, sollen, bevor sie sich manifestiert und massiv ausgebildet haben, diagnostiziert und therapiert werden, wie Jutta Gärtner, Direktorin der UMG-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, sagt.

Göttinger DZKJ wird mit anderen Zentren kooperieren

Im frühen Stadium bestünden oft gute Heilungschancen. „Das kann auf Perspektive die belasteten jungen Patienten, die Angehörigen, das medizinische System und die Gesellschaft entlasten“, beschreibt die mehrfach preisgekrönte Professorin.

Zusammenarbeit wird im DZKJ eine Hauptrolle spielen – in den Fachbereichen der Uni-Klinik und am Campus Göttingen, wo Institute auf dem Feld der Neurowissenschaften zusammenwirken: die Uni Göttingen, das Deutsche Primatenzentrum (DPZ), die Max-Planck-Institute für Experimentelle Medizin und biophysikalische Chemie sowie das entstehende Fraunhofer Institut für Tranlationale Medizin und Pharmakologie.

Mehr noch: das Göttinger DZKJ wird mit den anderen Zentren kooperieren, so mit dem Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZP).

Neurowissenschaften erfolgreicher Forschungsschwerpunkt

Im Göttinger wird künftig die Translation groß geschrieben, die Verknüpfung der Grundlagenforschung mit der klinischen Anwendung am Patienten und Krankenbett, soll so in neue Diagnosen und auf jeden Patienten abgestimmte Behandlungen des Gehirns und Nervensystems einfließen.

Es ist kein Zufall, dass Göttingen mit dem Schwerpunkt dabei ist, denn die Neurowissenschaften „sind hier seit Jahren ein sehr erfolgreicher Forschungsschwerpunkt“, wie Gärtner sagt. Und hier werde die vom Wissenschaftsministerium geforderte Kooperation am Campus seit vielen Jahren gepflegt.

Eine, wie Gärtner sagt, unerlässlich gewordene Verzahnung, in einer immer komplexeren Wissenschaftswelt mit rasanten Fortschritten in der Gen- und Molekularforschung, angeschoben auch dank revolutionärer technischer Errungenschaften wie Stefan Hells STED-Mikroskopie. „Die Forschung und der Wissensgewinn hat sich enorm verändert.“

Vor Details wird Grundkonzept für sieben Standorte geplant

UMG-Vorstandsprecher Prof. Wolfgang Brück bescheinigt eben dieser Forschungsarbeit in Göttingen in den Neurowissenschaften gar „höchstes Niveau“. Er ist sich sicher, dass das neue Zentrum die Erfahrungen noch besser bündeln und bahnbrechende Behandlungsansätze schneller umsetzen wird. „Das ist eine gute Nachricht für alle Patienten.“

Im DZKJ-Netzwerk wird Göttingen für das Thema GoBrain verantwortlich zeichnen und benötigt dann auch neue Räume. In der ohnehin beengt arbeitenden UMG-Kinderklinik ist kein Platz, sagt die „Chefin“ Gärtner. Wo das Zentrum seinen Platz finden wird und wie viele Arbeitsplätze entstehen werden, das kann Jutta Gärtner noch nicht sagen.

Erst müsste das Grundkonzept für die sieben Standorte geplant werden, danach folgen vor Ort die Details, berichtet Gärtner, die aber ihr Ziel, das „Deutsche Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin“ in Göttingen am Horizont sehen und direkt darauf zugesteuern kann: Mit dem Ziel vor Augen, läuft es sich leichter. (Thomas Kopietz)

Neurologische Erkrankungen und Folgen

Das menschliche Zentralnervensystem (ZNS) ist eine hochkomplexe Struktur, die von einer Vielzahl von Genen, genetischen Steuerungsmechanismen und Umweltfaktoren beeinflusst wird.

Es bestimmt sämtliche Lebensfunktionen, einschließlichdes Fühlens, Denkens und Handelns. Störungen in der Entwicklung oder Funktion des ZNS führen zu Behinderungen und neurologischen Erkrankungen, die neben Einschränkungen der geistigen und körperlichen Entwicklung zu Seh-, Hör, Sprach- und Verhaltensauffälligkeiten führen und sich meist schon in Kindheit oder Jugend manifestieren.

Für die betroffenen Patient*innen und ihre Familien ist das eine extreme und oft lebenslange Belastung dar, die ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

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