Immer noch kein Sanierungsstart

„Bitte, lasst uns nicht alleine!“ Junges Theater Göttingen: Appell an Verwaltung und Politik

Verantwortliche, Ensemble sowie Mitwirkenden des Jungen Theaters vor den Plakaten „Wir müssen zurück in unser Theater!“.
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„Wir müssen zurück in unser Theater!“: Für die Verantwortlichen, das gesamte und Ensemble sowie alle Mitwirkenden des Jungen Theaters ist die Situation um ihre Spielstätte so nicht länger tragbar. Ein verlässlicher Zeitplan muss her.

Das Junge Theater Göttingen wird laut. Es geht um fehlenden Rückhalt - von Verwaltung und Politik. Und um die Frage, wie und wann endlich die Sanierung des Otfried-Müller-Hauses startet.

Göttingen - „Wir müssen zurück in unser Theater!“ Diese Botschaft liest ab sofort jeder, der über den Göttinger Wochenmarkt schlendert und am Otfried-Müller-Haus (OMH) vorbeikommt. Was genau es mit der Plakataktion des Jungen Theater (JT) Göttingen auf sich hat, erklärten JT-Intendant Nico Dietrich und JT-Geschäftsführer Tobias Sosinka nun in einem Pressegespräch.

Die Botschaft des Jungen Theaters Göttingen ist kurz, knapp und unmissverständlich. Und nein, bei den Plakaten, die nun am OMH hängen, handelt es sich nicht um die Ankündigung eines neuen Theaterstücks. Wenngleich die Hintergründe der Aktion vermutlich sogar ganz guten Stoff für eine Inszenierung bieten würden.

Gemeinsam für die Sache: So wie Schauspieler Jens Tramsen half das gesamte Ensemble beim Kleben der Plakate.

Seit dem Auszug gibt es keinen Fortschritt im Otfried-Müller-Haus

„Im Sommer 2019, vor ziemlich genau zwei Jahren, sind wir gemeinsam mit dem KAZ aus dem OMH ausgezogen, damit die dringend nötige Sanierung starten kann“, erklärt Nico Dietrich. Passiert ist seitdem jedoch: nichts.

Für drei Jahre sollte das von der Stadt Göttingen für rund eine Million Euro hergerichtete Provisorium „Voigtschule“ an der Bürgerstraße 15 als Spielstätte und neue Heimat für beide Einrichtungen herhalten. Da in den bereits vergangenen zwei Jahren jedoch nichts in Sachen Sanierung geschehen ist, ist es nun Zeit, auf sich aufmerksam zu machen.

„Die Voigtschule ist als Veranstaltungs- und Arbeitsstätte für das JT nicht geeignet“, so Dietrich. Der Saal biete nur 70 Prozent der Platzkapazität des Theatersaals im OMH, die Bühne in der Aula sei nur ein Drittel der Fläche und biete außerdem auch nicht die technischen Voraussetzungen für einen Repertoire-Betrieb.

„Außerdem sind wir ein Privattheater, wir erwirtschaften 50 Prozent unseres Etats aus eigener Kraft.“ Dies gelinge, so Dietrich, mit 250 Veranstaltungen mit 40 000 Zuschauern pro Jahr. Die öffentlichen Zuschüsse des JT betragen 750 000 Euro. „Wir müssen also in unser Theater zurück, schon aus wirtschaftlichen Gründen“, unterstreicht Dietrich noch einmal die Dringlichkeit, dass langsam etwas passieren muss.

Etat für die Sanierung reicht nicht aus

Aber wo hakt es? Im Jahr 2016 wurden bereits Bundesmittel in Höhe von drei Millionen Euro für die Sanierung des OMH bereitgestellt, weitere drei Millionen kommen aus dem Haushalt der Stadt Göttingen. Es folgten Verzögerungen, dann kam die Corona-Pandemie.

Mittlerweile sei jedoch auch klar, dass mit den insgesamt zur Verfügung stehenden sechs Millionen Euro nicht mal der Mindestbedarf der Sanierung abgedeckt werden kann. „Mit der Summe kann die Basis geschaffen werden, mit der wäre jedoch kein aktiver Spielbetrieb möglich, denn damit wären noch keine Galerien, Beleuchtungsbrücken etc. installiert“, erklärt JT-Geschäftsführer Tobias Sosinka.

Bei einem Rückzug ins Stammhaus nach erfolgter Sanierung müsse mindestens das möglich sein, was vorher auch ging, ergänzt Dietrich. „Dass die sechs Millionen Euro dafür jedoch nicht ausreichen, ist der Stadtverwaltung mittlerweile auch bewusst.“ Hinzu käme, dass durch die allgemeine Baukostensteigerung der letzten fünf Jahre die sechs Millionen nur noch einen Wert von maximal 70 Prozent haben, ergänzt Sosinka.

Räumlichkeiten in der Bürgerstraße sind für das KAZ optimal

Eine mögliche Lösung wäre der Verbleib des KAZ in der Voigtschule. „Diese Möglichkeit ist nicht abwegig, denn das KAZ hat sich dort räumlich deutlich verbessert und kann sich auch vorstellen, dort zu bleiben“, so Sosinka. Die enge Zusammenarbeit beider Einrichtungen wäre von dieser Lösung natürlich unberührt.

Doch auch ein Verbleib des KAZ in der Voigtschule ändere nichts daran, dass die bisher eingeplante Summe für die Sanierung des OMH nicht ausreiche, so Sosinka weiter. Nach langem Stillstand habe es immerhin nun wieder ein Gespräch zwischen Bauverwaltung und den Verantwortlichen des JT gegeben, auf Initiative der neuen Baudezernentin der Stadt, Claudia Baumgartner.

Dabei wurde erneut deutlich, dass eine Sanierung mit den vorhandenen sechs Millionen Euro eine halbherzige Lösung wäre, die letztlich niemandem hilft. „Deshalb bitten wir darum, dass sich alle mal an einen Tisch setzen und wir gemeinsam besprechen, über welche Sanierungssumme wir hier tatsächlich reden müssen. Lasst das Thema nicht einfach untergehen, lasst uns damit nicht alleine“, appelliert Tobias Sosinka an Verwaltung und Politik. (Melanie Zimmermann)

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