Landgericht Göttingen

Radfahrer attackiert: Bewährungsstrafen für zwei Brüder

Gerichtsgebäude im Sommer: Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg.
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Das Landgericht Göttingen am Maschmühlenweg: Hier wurden die beiden Männer nun zu Bewährungsstrafen verhaftet.

Wegen gefährlicher Körperverletzung wurden zwei 24 und 25 Jahre alte Brüder vom Göttinger Landgericht verurteilt.

Göttingen – Im Februar 2019 hatte das Brüderpaar im Stadtteil Geismar einen Radfahrer attackiert. Der Radfahrer hatte eine aufgeplatzte Lippe als Verletzung erlitten. Er hatte sich nicht einschüchtern lassen und die Polizei gerufen.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sie dem Radfahrer mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatten. Der 24-Jährige hatte bei der Auseinandersetzung laut Gericht auch ein Messer aus der Tasche geholt. Als der Radfahrer sein Handy zückte, um die Polizei zu rufen, habe der 24-Jährige ihn bedroht und aufgefordert, das Telefon herauszugeben oder den Anruf nicht zu tätigen.

Damit habe er sich zusätzlich der versuchten Nötigung schuldig gemacht. Der 24-Jährige erhielt deswegen eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr. Weil er bereits einschlägig vorbestraft ist, erhielt sein älterer Bruder eine etwas höhere Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Das Gericht setzte beide Strafen zur Bewährung aus. Als Bewährungsauflage müssen die Angeklagten auch ein Antiaggressionstraining absolvieren.

Die Brüder waren noch wegen eines weiteren Vorfalls angeklagt. Sie sollen im Juli 2019 im Iduna-Zentrum einem Bekannten mehrfach ins Gesicht geschlagen zu haben. Dieser hatte damals Hämatome und eine Nasenbeinfraktur erlitten. Das Gericht hielt es zwar für „durchaus wahrscheinlich“, dass sich der Vorfall so wie in der Anklage geschildert zugetragen hat, aber „nicht in einem solchen Maße, dass vernünftige Zweifel ausgeschlossen“ seien, sagte der Vorsitzende Richter Martin Speyer.

Deshalb seien die Angeklagten davon freizusprechen. Der Richter begründete dies vor allem damit, dass der Betroffene sowohl widersprüchliche als auch falsche Angaben gemacht habe. So habe dieser damals in seiner Aussage bei der Polizei die Brüder belastet. Vor Gericht habe er einen Rückzieher gemacht und erklärt, dass er bei der Polizei falsch ausgesagt habe und seine Verletzung von einem Fahrradsturz stamme. Experten der Universitätsmedizin Göttingen zufolge sei der Nasenbeinbruch jedoch durch einen Schlag und nicht durch einen Sturz entstanden.

Der 25-jährige Angeklagte hatte vor Gericht erklärt, dass er sich nach dem Vorfall im Iduna-Zentrum mit dem Betroffenen „ausgequatscht“ habe, dass es „ne Scheißsache“ gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte Freiheitsstrafen ohne Bewährung gefordert. (Heidi Niemann)

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