Kabarettist Abdelkarim über die Wirklichkeit der Vorurteile

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Bissig, lustig: Abdelkarim in der fast ausverkauften Göttinger Stadthalle.

Göttingen. Der Kabarettist Abdelkarim hatte in der Göttinger Stadthalle die Lacher auf seiner Seite, als er seine punktgenauen Pointen über das Leben von Migranten und Deutschen in seinem aktuellen Programm „Staatsfreund Nr. 1“ setzte.

Er tat das im Spannungsfeld zwischen der viel beschworenen Integration und der gleichzeitig stattfindenden Ausgrenzung, wenn junge Männer zum Beispiel keinen Zutritt zu Clubs und Discos erhalten.

Humor, Witz und Satire sind die Mittel, mit der der 35-jährige Wortakrobat aus der „Bielefelder Bronx“ in Funk, Fernsehen, Internet und jetzt in der nicht ganz gefüllten Stadthalle den Menschen den Spiegel vorhält.

Der Mann, der oft gefragt wird, ob er ein deutscher Marokkaner oder ein marokkanischer Deutscher sei und mittlerweile über sich sagt, er sei ein Deutscher, gefangen im Körper eines Grabschers, wird dabei durchaus „bissig“. Dahinter ist aber der Appell für ein besseres Miteinander zu spüren.

Den Bogen spannt er vom Alltag bis zur Politik. Beispielweise, wenn er sich über Einbürgerungsfeiern auslässt: „40 Ausländer gehen rein, 40 Deutsche kommen heraus - und einer hat sogar Laktoseintoleranz.“

Ins Visier nimmt er áuch die Bezeichnung Nafri - Nordafrikanische Intensivtäter - ein in die Kritik geratener Polizeijargon nach den Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht 2015/16. Abdelkarim spitz: „Nordafrikaner ohne Erdöl“. Und: „Dass wir ins Discos und Clubs nicht reinkommen, wissen wir. Dass wir aber schon am Bahnhof abgefangen werden und wir nach draußen schon nicht mehr reinkommen, ist eine neue Qualität.“

Vor Politikern schreckt er ebenfalls nicht zurück: „Martin Schulz, der Mensch gewordene Glückskeks, der Obama auf 400-Euro-Basis.“ Oder: „AfD - Nazis mit Krawatte.“

Abdelkarim lebt heute in Duisburg. Dort, sagt er, würden die Einwohner mit der Flüchtlingsfrage ganz entspannt umgehen. „Erst, wenn ein Deutscher einzieht, haben wir Panik.“

Dieses Spiel mit Vorurteilen und Einschätzungen macht seinen Auftritt so spannend und entlarvend für den Umgang miteinander.

Zwischendurch unterhält sich Abdelkarim gerne mit seinem Publikum in der Stadthalle und schlägt dabei die Brücke zur Region. Das kommt beim Publikum - natürlich - gut an, etwa wenn er fragt, was die Göttinger in ihrer Freizeit denn so unternehmen: „Oder fahrt ihr lieber nach Kassel?“ Das trifft die Göttinger, die ihre Stadt viel schöner als Kassel finden.

Abdelkarim ist halt ein Comedian und Kabarettist durch und durch.

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