Gastspiel in Göttingen

Kabarettist Jochen Malmsheimer: Macht die Klirre aus!

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Jochen Malmsheimer: „Hören Sie auf, wir sind schon im Verzug!“ rief der begnadete Kabarettist zu Beginn seines umjubelten Auftritts im Deutschen Theater dem Publikum zu. 

Göttingen. Recht hatte er, der Besucher, der in der Pause anerkennend meinte: „Ganz schön wortgewaltig – mein lieber Mann!“ Man musste in der Tat verdammt schnell zuhören können, um jeden ausgefeilten, in Formel-1-Tempo dargebotenen Sprachwitz von Jochen Malmsheimer mitzubekommen.

Als allererstes mokierte sich der Kabarettist über die Aufzählung sämtlicher Veranstaltungen des Göttinger Kultursommers, bevor er selbst überhaupt angekündigt wurde. „Ich dachte schon, jetzt kommt noch das Programm vom nächsten Jahr!“ Das Publikum antwortete mit Gelächter und zustimmendem, tosenden Beifall. „Hören Sie auf, wir sind ja schon im Verzug!“

Schlagfertigkeit

Das war weder der einzige Beifall noch die einzige Schlagfertigkeit: „Hören Sie bitte auf zu klatschen, jedes Mal, wenn Sie etwas verstanden haben!“ herrschte er später die Besucher im ausverkauften Theater an.

„Unter Verzicht auf jegliche Pantomime“ hieß es in der Ankündigung. Weit gefehlt. Der Kabarettist ist auch ein begnadeter Schauspieler, mit und ohne Sprache. Und sein Umgang mit dem Mikro ist virtuos. Sympathisch war, dass er manchmal sogar selbst über seine Sprüche lachen musste und dass er selbstironisch mit seiner Körperfülle umging.

Sperriger Titel

Den sperrigen Programmtitel „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“ des epischen Kabaretts mit Tiefgang zu erklären, führe hier zu weit. Die Rahmenhandlung war eine Busfahrt nach Venedig, und die Botschaft war klar: Bildung muss wieder her, als Waffe gegen Dummheit in allen gesellschaftlichen Verhältnissen. „Geht nach Hause, lasst Fernseher, Computer und Klirre [d.h. Smartphone] aus, lest ein Buch und vor allem: Lest Euren Kindern vor!“

Übrigens: Der Kabarettist hat es mit den Winden. Wer etepetete ist, sollte es, wenn er dessen Homepage besucht, unbedingt unterlassen, an dem Seil zu ziehen. Martin Luther ließ Malmsheimer in seinem Programm mit offenkundigem Vergnügen mehrfach laut furzen. Dem Publikum gab er zum Schluss seine eigene Version des bekannte irischen Reisesegens mit auf den Weg: „Möge der Wind in Eurem Rücken nie Euer eigener sein!“

www.jochenmalmsheimer.de

Von Anne-Lise Eriksen

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