Literaturherbst Göttingen

Kämpferisch gegen den Klimawandel: Wahlrecht für Jüngere

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Diskutierten über Fridays for Future und den Klimawandel von links: Luisa Neubauer, Thea Dorn und Mareike Nieberding. 

Fridays for Future auch beim Göttinger Literaturherbst: In der Lokhalle wurde am Montagabend über Thesen und Forderungen diskutiert.

Der Klimawandel ist auch in Niedersachsen angekommen, die Talsperren im Harz führen weniger Wasser, in den Wäldern sterben die Tannen aufgrund des trockenen Sommers. Was können wir dagegen tun? Welche Rolle spielt die Bewegung Fridays for Future? Über diese Fragen diskutierten Luisa Neubauer, Mitinitiatorin Fridays for Future, Autorin Mareike Nieberding, Autorin Thea Dorn und Demokratieforscher Wolfgang Gründinger beim Literaturherbst. René Aguigah vom Deutschlandradio Kultur moderierte das Gespräch in der gut besuchten Lokhalle.

Mit einem Einblick in das Theaterstück „fridays.future“ (Premiere im November) schuf Nico Dietrich, Intendant am Jungen Theater, einen szenischen Einstieg ins Thema.

„Wir haben uns in unglaublicher Bräsigkeit zurückgelehnt“, sagt Thea Dorn über das Desinteresse am Klimawandel. Doch die Einstellung „Politik geht uns nichts an“ sei der falsche Weg. Um etwas zu bewegen, müsse man sich selbst dafür einsetzen. „Das ist nicht selbstverständlich“, merkt Luisa Neubauer an. Gründe dafür gebe es jedoch genug.

„Wir wissen alles über die Gefahren des Klimawandels und was wir tun müssen, um ihn aufzuhalten“, sagt Wolfgang Gründinger. Dennoch passiere zu wenig. Weiterhin werde zu viel Fleisch gegessen und in den Urlaub geflogen. Nach Ansicht von Neubauer ist die Hemmschwelle, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, zu groß: „Es gibt zu viele ‘aber’.“

Emotionen und Klimawandel

Mit Argumenten, die für die meisten Zuhörer nicht neu gewesen sein dürften, diskutierten die vier Redner darüber, welche Rolle Emotionen im Kampf gegen den Klimawandel spielen und riefen dabei ihrerseits Gefühle im Publikum hervor, die sich in Beifall niederschlugen.

Möchten Menschen etwas verändern, braucht es laut Dorn zunächst Emotionen. Mit Wut, Angst und Protest zeigen Menschen, dass sie mit der gegenwärtigen Situation unzufrieden sind: sich vom Klimawandel oder der Migration bedroht fühlen.

Vor allem Neubauer findet immer wieder drastische Wort für die gegenwärtige Klima-Situation. „Was gerade mit der Welt abgeht, ist erschlagend – sie gerät aus den Fugen wie nie zuvor.“ Gründinger ist der Meinung, dass Emotionen allein noch nichts bewegen. Nur indem sie kanalisiert werden, können sie helfen, etwas zu verändern.

Dass bis jetzt noch nicht genug getan wurde, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, darin sind sich die Diskussionsteilnehmer einig. „Wir gehen auf die Straße, damit endlich gehandelt wird“, sagt Neubauer über die Fridays for Future-Bewegung. Für einen Kurswechsel in der Klimapolitik werden laut Dorn jedoch auch Politiker gebraucht, die einen klaren Kurs verfolgen.

Mehr Einfluss für Jugendliche

Mareike Nieberding macht darauf aufmerksam, dass Politik nicht erst in Berlin beginnt, sondern bei jedem selbst anfange. „Wer hält euch auf?“, fragt Neubauer provokativ.

Gerade Jugendliche sollten, argumentiert Gründinger, da sie am längsten mit den heute getroffenen Entscheidungen leben müssen, ein stärkeres Mitspracherecht in der Politik bekommen. Beispielsweise indem sie schon früher wählen dürfen, denn der demografische Wandel sorge dafür, dass die jungen Menschen an Einfluss verlieren. 

Gegen Ende der Diskussion stellte das Publikum den vier Gastrednern weitere Fragen. Etwa: „Wirkt sich der Brexit auf den Klimawandel aus?“ und „Ab welchem Alter sollte man wählen dürfen?“.

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