70.000 Aufnahmen

Kamerasystem aus Göttingen: Kometen hautnah erleben

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Der Komet „Chury“ in voller Pracht: Die Aufnahme entstand aus einer Höhe von 146 Kilometern.

Knapp 70 000 Aufnahmen des Kometen „Chury“ hat das Kamerasystem Osiris der ESA-Mission Rosetta in den Jahren 2014 bis 2016 aufgenommen. In einem Projekt mit der Hochschule Flensburg hat das Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) diesen Fundus nun im Internet veröffentlicht.

Die Bilder dokumentieren nicht nur den Verlauf der anspruchsvollen Kometenmission, sondern zeigen „Chury“ in all seinen Facetten.

Der „Osiris Image Viewer“ verspricht sowohl Laien, als auch Experten einen einfachen, schnellen und übersichtlichen Zugriff auf die Aufnahmen. Den ersten Blick auf den Kometen erhaschte das Kamerasystem im März 2014 aus einem Abstand von knapp fünf Millionen Kilometern: ein unspektakulärer Sternenhimmel, in dem nur Kenner einen der zahlreichen hellen Flecke als Ziel der Rosetta-Mission identifizieren können. Der letzte Schnappschuss der Mission entstand am 30. September 2016, wenige Minuten bevor die Raumsonde auf der Kometenoberfläche aufsetzte. Nur 20 Meter trennen die steinige Oberfläche, die darauf zu sehen ist, von der Sonde.

Zwischen den beiden Aufnahmen liegt ein Abenteuer: eine Weltraummission, die erstmals einen Kometen auf seinem Weg durch das innere Sonnensystem begleitete und aus der Nähe beobachtete.

Beim Durchstöbern der Bildersammlung finden sich Zeugnisse der Anflugphase auf den Kometen, der Landung von Rosettas Landeeinheit Philae, des Feuerwerks aus Gas- und Staubfontänen am sonnennächsten Punkt der Kometenbahn und der Suche nach der Philae-Landestelle in den letzten Missionswochen. Entdecken kann man Klippen, Risse, Schluchten, von Brocken übersäte Geröllfelder sowie Staub- und Gaseuroptionen in der Umgebung des Kometenkerns.

„Uns ist es wichtig, dass dieser Datenschatz für jeden leicht und ohne Vorwissen zugänglich ist“, erklärt MPS-Wissenschaftler Dr. Holger Sierks, Leiter des Osiris-Teams.

Jede der Aufnahmen ist mit Angaben zum Aufnahmedatum, Abstand zum Kometen und einem kurzen Begleittext versehen und lässt sich in voller Auflösung herunterladen. Für Nutzer, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, liegen die Bilder auch im wissenschaftlichen Datenformat vor; zudem gibt es Informationen zu den verwendeten Filtern, Brennweiten und Belichtungszeiten sowie Verweise auf die wissenschaftliche Dokumentation und Auswertesoftware.

Zu sehen gibt es tausende Aufnahmen des Kometen „Chury“ hier. Sie sind frei abrufbar.

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