Kampagne zu sexistisch: Kreishandwerkerschaft rudert zurück

Doppeldeutige Handwerksampagne: Die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreis Göttingen, Angelika Kruse und Christine Müller, kritisieren die Slogans als sexistisch. Foto: Kreishandwerkerschaft

Göttingen. Sexistisch und frauenfeindlich: Politiker und Gleichstellungsbeauftragte kritisieren die Werbekampagne der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen.

„Kennen lernen. Näher kommen. Hand anlegen.“ Damit läutet die Kreishandwerkerschaft ihre neue Kampagne ein. Mit 21 verschiedenen Plakaten sollen Jugendliche für Handwerksberufe begeistert werden. Töpfern wird mit dem Spruch „Geile Kurven! Kann man formen“, beworben, der Dachdecker soll mit „Wo genagelt wird, da gibt es Latten.“ attraktiver werden.

Sprüche, über die sich Angelika Kruse, Gleichstellungsbeauftrage des Landkreises Göttingen, empört. „Das ist Sexismus in Reinkultur“, urteilt sie über einige Slogans. „Die Kreishandwerkerschaft wäre gut beraten, einige Plakate rauszulassen.“ Zusammen mit Christine Müller, Gleichstellungsbeauftragte bei der Stadt Göttingen, hat sie einen offenen Brief an Kreishandwerkerschaft, Parteien und Gremien geschickt. Im beruflichen Alltag, so Kruse, grenzten solche Sprüche an sexuelle Belästigung.

Die Kampagne, die Schüler nach dem Abschluss ansprechen soll, verfehlt laut Kruse das Ziel: „Für eine 14-Jährige ist das völlig daneben.“

Suse Stobbe vom Stadtvorstand der Grünen spart auch nicht mit Kritik: „Besser kann man seine Zielgruppe gar nicht abschrecken.“ Ihre Fraktion fordert die Kreishandwerkerschaft auf, die Werbekampagne zu stoppen.

Kreishandwerker lenken ein

Die Kreishandwerkerschaft zeigte sich zunächst überrascht über die Kritik – um nun zurück zu rudern. In einer kurzfristigen Reaktion werden nun „einzelne Kampagnenmotive“ korrigiert, hieß es am Mittwoch. Kreishandwerksmeister Christian Frölich entschuldigte sich: „Zu keinem Zeitpunkt war es unsere Absicht, sexistisch oder frauenfeindlich zu sein.“

Man habe die Slogans zuvor Jugendlichen zur Bewertung vorgelegt, die hätten sich ebenfalls für die durchaus doppeldeutigen Slogans ausgesprochen. Auch den Rat von Werbefachleuten habe man berücksichtigt. Die Entscheidung für die provokante Werbekampagne sei bei einer Mitgliederversammlung einstimmig gefallen.

Um weitere Diskussionen zu verhindern, habe man sich nun aber dazu entschlossen, die Kampagne zu korrigieren. „Wir wollen nicht dazu beitragen, dass auf dem Rücken der Zielgruppe dieser Kampagne eine Sommerlochdiskussion geführt wird“, sagte Frölich weiter. Damit sei niemandem geholfen.

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