Bezahlung von Unipersonal

Karger Lohn für Lehrbeauftragte an Uni Göttingen

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Studenten im Hörsaal der Uni Göttingen: In vielen Fakultäten sind Lehrbeauftragte unverzichtbar, doch sie werden schlecht bezahlt.   

Göttingen. Ohne Lehrbeauftragte geht es an der Universität Göttingen bei der Ausbildung der Studierenden in manchen Fakultäten nicht. Doch ihre Bezahlung ist mehr als schlecht.

Im Gegensatz zu fest angestellten Beschäftigten haben diese Mitarbeiter der Universität keine soziale Absicherung. Sie erhalten für jede Unterrichtsstunde etwa 27 Euro – müssen davon aber sämtliche Sozialabgaben (zum Beispiel Krankenversicherung) und mögliche Steuern selbst bezahlen. 

Maximal darf pro Woche acht bis zwölf Stunden unterrichtet werden, sagt eine Betroffene, die anonym bleiben möchte. Die Lehrbeauftragte, die seit mehr als zehn Jahren an einer geisteswissenschaftlichen Fakultät arbeitet, bekommt gerade einmal einen monatlichen Abschlag von 430 Euro, berichtet sie. „Allein könnte ich davon nicht leben“, sagt die Betroffene, die eine abgeschlossenes Studium und mehr als zehn Jahre Berufserfahrung hat. 

Ein weiterer Pferdefuß: Wird ein Lehrbeauftragter krank, so gibt es gar kein Geld. Allerdings ist es möglich, die Stunden nachzuholen. Außerdem gibt es keinen Kündigungsschutz. Wenn die Fakultät die Dienste nicht mehr benötigt, dann fallen die Beauftragung und das Geld einfach weg. Außerdem werden die Vorbereitungszeit sowie Zeit, die für Prüfungen der Studenten notwendig ist, nicht bezahlt. 

„Ich kenne viele Betroffene, die sich mit mehreren Lehraufträgen und anderen Honorarjobs über Wasser halten müssen“, sagt die Lehrbeauftragte über die Situation. „Wir müssen versuchen, mit einem Mix aus verschiedenen Beschäftigungen unser Einkommen zu sichern, das in vielen Fällen nicht deutlich über dem Sozialhilfeniveau liegt.“ Eine ganz ähnliche Situation gibt es beispielsweise bei Lehrkräften der Volkshochschule (wir berichteten). 

Inzwischen gibt es eine Initiative mit einem Dutzend Betroffener, die sich für eine Verbesserung der Situation einsetzt. Dazu lief eine Petition, die mehr als 800 Unterstützer online unterschrieben haben. Darin wird ein deutlich höheres Honorar, die Mitbestimmung in den Hochschulgremien sowie langfristig die Umwandlung der Lehraufträge in feste Stellen gefordert. Außerdem kümmern sich inzwischen Gewerkschaften um das Thema. 

Aktion auf Wilhelmsplatz 

Die Forderungen der Lehrbeauftragten sollen am Mittwoch, 24. Mai, ab 10 Uhr bei einer Veranstaltung auf dem Wilhelmsplatz öffentlich gemacht werden. Zudem ist an diesem Tag ein Gespräch mit Universitäts-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel geplant.

(bsc)


Hintergrund: Freier Mitarbeiter einer Hochschule

Ein Lehrbeauftragter ist eine Person, die an einer Hochschule Lehrveranstaltungen hält, selbstständig und freier Mitarbeiter der Hochschule ist. Der Lehrbeauftragte wird laut Online-Lexikon Wikipedia auf Honorarbasis vergütet. Der Lehrbeauftragte steht zum Beispiel im Unterschied zu Professoren nicht in einem Beamtenverhältnis und im Unterschied zu wissenschaftlichen Angestellten beziehungsweise künstlerischen Angestellten auch nicht im Angestelltenverhältnis mit der jeweiligen Hochschule. (bsc)


Das sagt die Universität: 

Grundsätzlich seien die Arbeitsverhältnisse der Lehrbeauftragten nicht prekär, heißt es vonseiten der Universität. Man wolle aber die einzelnen Situationen im Gespräch mit den Betroffenen prüfen. 

65 Lehraufträge hat die Universität im Sommersemester 2015 vergeben, 72 im Wintersemester 2015/2016. Das entspräche zwei Prozent der kapazitätsrelevanten Lehre, heißt es aus der Pressestelle. Diese Lehrkräfte werden nicht in Gehaltsgruppen eingeteilt, da sie nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, heißt es weiter. 

Die Vergütung richte sich nach einer Richtlinie. Die empfiehlt etwa 25 Euro pro Lehrveranstaltung für Aufgaben des höheren Dienstes vor, 50 Euro für Aufgaben eines Professors. Die konkrete Bezahlung würde allerdings von Fakultäten eigenständig geregelt. 

Geregelt ist das Rechtsverhältnis im Erlass des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. „Das Dienstverhältnis ist ein selbstständiges; Leistungen, die für ein abhängiges Dienstverhältnis typisch sind, wie Erholungsurlaub, Beihilfen und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, kommen für Lehrbeauftragte demnach nicht in Betracht.“ Durch die Semesterregelung würden Lehrveranstaltungen auch nur in sechs Monaten des Jahres gehalten. 

Bekommen kann einen Lehrauftrag nur, wer über die fachliche Qualifikation verfüge, die entsprechende pädagogische Eignung besitze und diese durch Erfahrung in der Lehre oder durch Ausbildung nachweisen könne. (vsa)

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