Karrieresprung gen München

Göttinger Universitätsmedizin-Vorstand Siess wird Vorstandschef in München

Porträtfoto eines Herren mittleren Alters mit dunklen Haaren und randloser Brille.
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Geht nach München: Dr. Martin Siess, UMG-Vorstand Krankenversorgung, wechelt ans Klinikum rechts der Isar der TU München.

Via Uni-Klinikum-„Flurfunk“ war es bereits zu hören, jetzt hat es die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) bekannt gegeben: Vorstandsmitglied Dr. Martin Siess wechselt nach München.

Göttingen – Der 54 Jahre alte Siess, der den Bereich Krankenversorgung verantwortet und in München lebt, wird zum 1. Juli neuer Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM).

Siess war seit 2010 im Vorstand und dienstältestes Mitglied

Der Vertrag von Siess mit der UMG lief bis Ende 2021. Den neuen Vertrag für die TUM hat er am 2. März 2021 beim Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, unterschrieben.

Martin Siess ist kein Vertreter der extrovertierten Managerschule, gilt als zurückhaltender, verbindlicher wie diplomatischer Typ. Seit 2010 verantwortet er als Vorstand das Ressorts Krankenversorgung an der UMG und ist somit das dienstälteste Vorstandsmitglied, ein absoluter „Insider“.

Er hat die Entwicklung der UMG – auch in der Besetzung der medizinischen Führungspositionen wie Professuren mit jungen Kräften – maßgeblich mit geprägt.

Nach dem Weggang von Vorstandssprecher Prof. Dr. Heyo Kroemer 2019 als Vorstandschef an die Berliner Charité ist Siess der zweite aus der UMG-Spitze, der in kurzer Zeit auf die Kaptitänsbrücke eines der größten Krankenhäuser Deutschlands wechselt.

Viele Kontakte und Freundschaften an Universitätsmedizin

Der Wechsel an eines der nach seinen Worten „leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands“ sei ihm keineswegs leicht gefallen, wie Siess sagt. Nicht nur, weil er einen Generationswechsel begleitet und umgesetzt habe, sondern auch, weil sich viele persönliche Kontakte und Freundschaften entwickelt hätten.

Dafür steht auch die Verbindung zum aktuellen Vorstandssprecher Prof. Dr. Wolfgang Brück, der auch eine Zeit lang als Vertreter von Siess in dessen Funktion diente.

Brück bezeichnet Siess als „praktizierenden Teamworker“ und hebt dessen „offene, analytische und verbindliche Art“ hervor und bedankt sich außerordentlich für die geleistete Arbeit, besonders auch im Umgang mit der Corona-Krise. „Ich werde ihn als Kollegen und Freund vermissen.“

UMG: Verlängerung hätte nichts im Wege gestanden

Mit Bedauern reagierte der Aufsichtsrat der UMG über den Vorsitzenden des Stiftungsausschusses Universitätsmedizin, Heinz-Rüdiger Strehl: „Wir bedauern die Entscheidung von Dr. Siess. Einer Verlängerung für eine weitere Amtszeit in Göttingen hätte nichts entgegengestanden. Wir lassen ihn nur ungern ziehen.“

Eine Rückkehr nach elf Jahren Vorstandsarbeit in Göttingen an seine Alma Mater in München sei allerdings nachzuvollziehen und zu respektieren.

„Seine“ Universitätsmedizin Göttingen sieht Martin Siess für die Zukunft „personell und strukturell sehr gut aufgestellt“ – auch im Hinblick auf den geplanten Neubau des Klinikums.

Kontakt mit München entstand im vergangenen Jahr

Siess bedankt sich schon jetzt besonders bei den gut 8000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Göttinger Uni-Klinik für deren Einsatz und die „großartige Unterstützung“, die er in elf Jahren als Vorstand Krankenversorgung habe erfahren dürfen.

Der Kontakt mit München sei bereits im vergangenen Jahr entstanden, sagte Siess auf Anfrage unserer Zeitung. Für ihn war es „das“ Angebot, das aus anderen Job-Offerten herausragte.

Da ist zum einen die Heimatstadt München, wo Martin Siess mit Frau und zwei Kindern lebt. Da ist aber vor allem eine „extrem reizvolle und herausfordernde Aufgabe“, wie er sagt.

UMG als Schmiede für Chefs in großen deutschen Kliniken

Im Verbund von TU München und Klinikum rechts der Isar habe man extrem viel vor – was die inhaltliche Entwicklung, den Ausbau von Schwerpunkten aber auch bauliche Notwendigkeiten angehe.

Zudem wolle man ganz klar auch der Charité in Berlin nicht das Feld als bundesdeutscher Platzhirsch überlassen. Dort, in der auch mit einer außergewöhnlichen Historie aufwartenden Charité sitzt ebenfalls ein alter Göttinger am Schaltpult: Heyo Kroemer.

Aus prima zusammenarbeitenden Partner an der Göttinger Universitätsmedizin werden also nun – im Umgang miteinander sicher faire – Konkurrenten.

Anders gesagt: Die Göttinger Universitätsmedizin könnte man auch als Schmiede für Chefs in den ganz großen deutschen Kliniken bezeichnen. Ach ja, ein Dritter Ex-UMG-Vorstand, der 2020 die Uni-Klinik verließ, Dr. Sebastian Freytag, ist mittlerweile Geschäftsführer im Klinikum des Landkreises Tuttlingen. (Thomas Kopietz)

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