Bischoff für strukturelle Änderungen

Katholische Kirche: Sexueller Missbrauch bleibt Weihnachten Reizthema

Redet Klartext: Hildesheims Bischof Heiner Wilmer. Foto: Holger Hollemann/dpa

Die Frage, welche Lehren aus sexualisierter Gewalt in der Kirche zu ziehen sind, treibt Bischöfe zu Weihnachten um. Es gibt auch Kritik untereinander.

Nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche plädiert der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer für strukturelle Änderungen in der Kirche. „Beim Missbrauch geht es um Macht" und forderte eine Gewaltenteilung in der Kirche. „Macht darf nicht absolut sein.“

Bei Ausbildung aufpassen

Wilmer fordert weiter, schon in den Priesterseminaren genau hinzusehen, bei der Aufnahme und bei der Ausbildung. Die Missbrauchsfälle müssten aufgearbeitet werden: „Was damals Unrecht war, ist auch heute Unrecht.“ Wilmer sieht eine „historische Zäsur“, die auch theologische Antworten verlange. „Wir brauchen einen ganz neuen Umgang mit sexualisierter Gewalt.“

Janssens Gebeine

Der neue Bischof aus Hildesheim wendet sich aber dagegen, die Gebeine des Ex-Bischofs Heinrich Maria Janssen wegen Missbrauchsvorwürfen aus der Bischofsgruft im Dom zu entfernen: „Tote sollte man ruhen lassen.“ Der 1988 gestorbene Janssen soll vor Jahrzehnten einen Ministranten sexuell missbraucht haben. Das Bistum hatte die Vorwürfe als plausibel eingestuft.

Bistum Osnabrück

Erschüttert von Missbrauchsfällen wird auch das Bistum Osnabrück: Bischof Bode räumte nach aktuell bekannt gewordenen Fällen durch einen heute 85-jährigen Priester eigene Fehler ein. Er habe zwar nach Gerüchten 1995 den Verdacht ernst genommen und den Priester in den Ruhestand versetzt – mit der Auflage, nur im Altenheimbereich tätig zu sein. „Diese Auflage ist leider von keiner Seite nachgehalten worden“, sagte Bode der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Das ist ein schweres Versäumnis, für das ich nur um Vergebung bitten kann. Der allgemeine Vertrauensverlust ist groß, auch nach innen.“

Kölner Bischof widerspricht Wilmer

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki widerspricht derweil dem Hildesheimer Kollegen, Heiner Wilmer, der sagte: Machtmissbrauch sei Teil der DNA der Kirche. „Ich kann dieses Bild nicht teilen“, sagte Woelki dem Deutschlandfunk. Wenn das so wäre, müsste der Staat einschreiten und die Kirche verbieten.

Heiner Wilmer hatte auch mit der Aussage für Aufsehen gesorgt: Es gebe in Bezug auf die sexuellen Missbrauchsfälle „Strukturen des Bösen“ in der Kirche und hatte eine Gewaltenteilung in der Kirche gefordert. Am Ende müsste „ein ganz neuer Umgang mit sexualisierter Gewalt stehen“.

"Gesamtgesellschaftliches Problem"

Der Kardinal Rainer Maria Woelki entgegnet: Der Großteil der Priester, der pastoralen Mitarbeiter und der kirchlichen Angestellten habe mit den sexuellen Missbrauchsfällen nichts zu tun. Zudem verwies der Kardinal darauf, dass „sexualisierte Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Phänomen“ sei.

Zu lange nicht geglaubt

Für die katholische Kirche räumte der Kölner Erzbischof ein, „dass wir viel zu lange Betroffenen nicht geglaubt haben, dass wir so etwas nicht für möglich gehalten haben und dass wir über das, was uns von Betroffenen gesagt worden ist, einfach hinweggegangen sind“. Man habe sich so eine schwere Schuld aufgelanden. Die katholische Kirche trage aufgrund des moralischen Anspruchs zudem eine besondere Verantwortung.

Frustration in der Kirche

Der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Missbrauchsfälle lösten auch innerhalb der Kirche Frustration, Enttäuschung und Erschütterung aus: „Der allgemeine Vertrauensverlust ist groß, auch nach innen.“ Nötig seien Prävention und Intervention.

Bode kündigte zudem eine Zusammenarbeit der norddeutschen Bistümer Hildesheim, Osnabrück und Hamburg zu Fragen wie der Sexualmoral und des Zölibats an. (mit epd)

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