Göttingen

Kaum Interesse – Impf-Angebot der Stadt Göttingen für „Menschen in prekären Situationen“

Ein Mann mit Jeansjacke steht vor einem roten Bus
+
War dankbar für das Angebot der Stadt Göttingen: Der 61-jährige José Loreto Galiana fuhr im zweiten Busshuttle zum Impfzentrum Siekhöhe.

Um Menschen in „prekären Wohnsituationen“ die Impfung zu erleichtern, hat die Stadt Göttingen einen Shuttlebus vom Hagenweg, Iduna-Zentrum und der Groner Landstraße eingerichtet.

Göttingen – Verhalten haben am Montag die Bewohner der Göttinger Problem-Immobilie Hagenweg 20 auf ein Impfangebot der Stadt reagiert. Einige nahmen es dankbar an. Viele zeigten jedoch kein Interesse.

„Endlich haben wir den Impfstoff, um einige 100 Menschen, die in prekären Wohnsituationen leben, gegen Covid-19 zu schützen“, erklärte Göttingens Sozialdezernentin Petra Broistedt. Seit dem 10. Mai besteht für solche Menschen die Impf-Möglichkeit.

Impf-Shuttle der Stadt Göttingen: Hagenweg 20, Iduna-Zentrum, Groner Landstraße 9

Im Hagenweg 20, aber auch im Iduna-Zentrum am Maschmühlenweg 4/6 sowie im Wohnkomplex an der Groner Landstraße 9 leben zum Teil mehrere Menschen in kleinen Ein- oder Zwei-Zimmer-Appartements.

„Um die Hürden möglichst niedrig zu halten, bieten wir den ganzen Tag lang einen kostenlosen Busshuttle von den Wohnblocks zum Impfzentrum auf der Siekhöhe an“, sagte Broistedt. Start war am Montag, 7. Juni, im Hagenweg.

Sozialdezernentin Petra Broistedt rührte persönlich die Werbetrmmel für die Impfaktion.

Am Dienstag, Freitag und Samstag können die Bewohner des Iduna-Zentrums das Angebot nutzen. Wenn wieder Impfstoff da ist, soll es den Service auch für die Menschen an der Groner Landstraße 9 geben.

Impf-Shuttle der Stadt Göttingen: „Ein Termin ist nicht erforderlich“

„Ein Temin ist nicht erforderlich“, betonte die Sozialdezernentin. Die Stadt hat im Vorfeld Flyer auf Deutsch, Bulgarisch und Rumänisch in alle Briefkästen werfen lassen.

Mehrere Dolmetscher, die für die städtische Beschäftigungsförderung und die Jugendhilfe Göttingen tätig sind, klopften an die Türen und sprachen die Bewohner persönlich an. Am Montagmorgen ging Broistedt selbst noch einmal durchs Haus.

Trotzdem saßen um 9 Uhr nur zwei Impfwillige im Bus. Im Bus um 10 Uhr waren es auch nicht mehr. Einer davon war José Loreto Galiana. „Das ist ein tolles Angebot“, lobte der 61-Jährige. Vor drei Monaten habe er sich aufgrund seiner Asthma-Erkrankung auf die Warteliste setzen lassen.

Impf-Shuttle der Stadt Göttingen: „Möchte die Krankheit auf keinen Fall bekommen“

Seine Schwester und sein Bruder hätten ihre Impfung bereits erhalten. „Ich hoffe, dass ich nicht wie meine Schwester zwei Tage lang hohes Fieber habe“, sagte er.

„Ich möchte die Krankheit auf keinen Fall bekommen“, stellte Frank Hingst klar, der gerade seine Frau am Hagenweg besuchte. „Sie dürfen das Angebot auch gerne nutzen“, bot der städtische Pressesprecher Dominik Kimyon dem 51-Jährigen bei einem Gang durchs Haus an.

Impfen lassen wollte sich zudem Lamin Dibba aus Gambia, der seit gut einem Jahr am Hagenweg wohnt. „Ich habe jetzt noch einen Termin, lasse mich aber nachher auf die Siekhöhe fahren“, kündigte der Afrikaner an.

Impf-Shuttle der Stadt Göttingen: „Keine Zeit“

Eine bulgarisches Ehepaar berichtete Pressesprecher Kimyon von einer überstandenen Corona-Infektion vor drei Monaten. „Dann müssen sie mit der Imfung noch drei Monate warten“, bat sie der Pressesprecher um Geduld.

Ein deutscher Bewohner zeigte sich offen für das Angebot, musste aber zunächst wegen einer anderen Sache zu seinem Betreuer. „Kein Interesse“, meinte dagegen ein Deutscher kurz angebunden. Ein Rumäne mit dem Handy in der Hand rief dem Pressesprecher vorbeieilend zu: „Keine Zeit, ich habe zu tun.“ (Michael Caspar)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.