Bis zu 8000 Notrufe im Monat

Keine Angst vorm Notruf: Göttinger Polizei gibt Tipps

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Wollen die Angst vor dem Notruf nehmen: Ulrich Ritzau (sitzend) und Jörg Arnecke (rechts). Zu diesem Zweck haben sie eine Besuchergruppe in das Lage- und Führungszentrum eingeladen.

Göttingen. Rund 6000 bis 8000 Mal im Monat klingeln bei der Polizeidirektion Göttingen die Notruftelefone.

Betreut werden die Anrufer von den Mitarbeitern des Lage- und Führungszentrums (LFZ) an der Groner Landstraße. An sechs Arbeitsplätzen widmen sich die Beamten rund um die Uhr den Sorgen und Nöten ihrer Anrufer.

„Unsere Teams betreuen alle Anrufer aus den Landkreisen Göttingen, Northeim und Osterode“, erklärt Ulrich Ritzau, Leitender Beamter vom Dienst, während er die drei Monitore auf seinem Schreibtisch nicht aus den Augen verliert. So sei die Polizeidirektion Göttingen insgesamt für 1,3 Millionen Bürger zuständig.

In ihren Gesprächen erlebten die Beamten das gesamte Spektrum der Polizeiarbeit, berichtet Ritzau: „Von der Beschwerde wegen zu lauter Musik bis zur Meldung von Straftaten ist alles dabei.“ Aber auch Erkundigungen nach der Uhrzeit oder die Frage, ob die Polizei schnell eine Pizza vorbei bringen könne, seien bereits vorgekommen, erinnert er sich.

Zunächst einmal müsse aber jeder Anrufer mit seinem Anliegen ernstgenommen werden, betont der 41-Jährige: „Schließlich wissen wir ja nicht, wer anruft und ob es nicht doch etwas Schwerwiegendes ist, weshalb er sich bei uns meldet.“

Angst vor einem Notrufmissbrauch müsse daher auch niemand haben. „Besser, es wird einmal zuviel angerufen, als zu wenig“, ist er überzeugt. Im Notfall rät der leitende Beamte allen Anrufern dazu, die wichtigsten Fragen zuerst zu beantworten.

Dieser Ansicht kann auch Jörg Arnecke, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Göttingen, nur zustimmen: „Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Da müssen wir sofort wissen, wer weshalb anruft, wie die Situation ist und wann und warum etwas passiert ist.“ Außerdem bitten die Beamten alle Anrufer darum, nicht sofort wieder aufzulegen, sondern Rückfragen abzuwarten.

Nicht zwingend mitteilen müssen Hilfesuchende dagegen, von wo sie anrufen. „In 95 Prozent der Notrufe sehen wir die Nummer des Anrufers auf unseren Displays und können auch den Standort orten“, sagt Ritzau. „Anonyme Anrufe gibt es bei uns nur in ganz wenigen Ausnahmen, in denen unsere Gesprächspartner Prepaid-Handys benutzen.“

Ausspähen wollen die Göttinger Beamten ihre Anrufer mit der modernen Polizei-Software jedoch nicht. „Uns geht es darum, die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten und Leben auch in den Fällen retten zu können, wenn uns der Anrufer nicht mehr mitteilen kann, wo er ist, weil er vielleicht bewusstlos geworden ist oder sich in anderer Gefahr befindet und nicht sprechen kann“, sind sich Ritzau und Arnecke einig.

Hintergrund: Der richtige Notruf

So sollte der Notruf im Idealfall ablaufen: Hier die fünf W-Fragen (Reihenfolge nach Wichtigkeit).

• Wo ist etwas geschehen?

• Was ist geschehen?

• Wie viele Personen sind betroffen?

• Welche Art von Erkrankung/Verletzung/Schaden liegt vor?

• Warten auf Rückfragen! (Das Gespräch sollte erst nach Aufforderung beendet werden)

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