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Demo: Corona-Kritiker weichen aus, keine Blockaden des Gegenprotests

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Von: Michael Caspar, Stefan Rampfel, Bernd Schlegel

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Einsatzkräfte der Polizei stehen in einer Reihe und trennen so Demonstranten von Gegendemonstranten.
Demo im Göttinger Ostviertel: Viele Einsatzkräfte trennten auch dieses Mal Maßnahmen-Kritiker und Gegenprotestler. © Stefan Rampfel

Am Albaniplatz formierte sich Montagabend (21.02.2022) erneut ein Protestzug von Maßnahmen-Gegnern. Auch Gegendemonstranten waren vor Ort sowie viele Einsatzkräfte der Polizei.

Update von 17.30 Uhr: Unterdessen hat sich die Polizei eingehender mit den Ereignissen vom Montag befasst. Die Polizei weist darauf hin, dass die Beamten an der Kreuzung Calsowstraße/Sertürnerstraße das unmittelbare Aufeinandertreffen bei der Demonstrationsgruppen verhindern musste. So haben laut Polizei etwa 40 Gegendemonstranten versucht, durch plötzliches Zulaufen auf die Polizeikette, die Sperre zu überwinden. „Um dies zu unterbinden, setzten die Einsatzkräfte unmittelbaren Zwang in Form von Abdrängen und kurzzeitig auch Pfefferspray ein“, so die Polizei.

Informationen zu Verletzten lagen der Polizei am Montagabend nicht vor und wurden im Nachhinein auch nicht bekannt. In diesem Zusammenhang leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs gegen eine 21 Jahre alte Frau aus Göttingen ein. Die Ermittlungen zum genauen Tathergang dauern an.

Erstmeldung vom 22.02.2022, 11.30 Uhr: Göttingen – Etwa 120 Menschen haben am Montagabend erneut gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung demonstriert. Sie starteten in dieser Woche – wie schon vor zwei Wochen – am Albaniplatz vor der Stadthalle. Kurz vor dem Beginn der Demo um 18.20 Uhr wurde jedoch die Streckenführung geändert.

Geänderte Streckenführung gegen Straßenblockaden?

Die Taktik der Veranstalter ging scheinbar auf: Straßenblockaden des Gegenprotests blieben aus. Durch Flatterband und viele Einsatzkräfte waren die Demonstrierenden beider Gruppe räumlich voneinander getrennt.

Kritiker der aktuellen Corona-Maßnahmen mit Bannern auf einem Demozug durch das Göttinger Ostviertel.
Kurzfristige Änderung der Route: Auch dieses Mal wählten die „Spaziergänger“ einen anderen Weg als ursprünglich angekündigt. © Michael Caspar

Die Gegendemonstranten, laut Polizeiangaben etwa 90 Personen, standen am südlichen Teil des Platzes nahe der Albanikirche. Weitere Gegendemonstrierende hielten sich laut Polizeibericht „schon frühzeitig in Kleingruppen an mehreren Stellen entlang der angezeigten Aufzugsroute der Corona-Kritiker auf.“ Die Gesamtzahl des Gegenprotests bezifferte die Polizei mit 150 bis 200 Personen.

Starke Polizeikräfte sicherten den Demo-Zug. Die neue Route führte über die Herzberger Landstraße, die Merkelstraße, die Calsowstraße und den Friedländer Weg zurück zur Stadthalle.

Dem Appell, Masken zu tragen, folgten nicht alle. Die Protestler machten mit Sprechchören, Trommelschlägen und lauter Musik auf ihr Anliegen aufmerksam. Anwohner beobachteten den Zug vom Fenster aus.

Amtliche Statistiken verfälscht, Todesfälle nach Impfungen vertuscht

„1989 bin ich bei den Montagsdemonstrationen in der DDR nicht mit dabeigewesen, weil mein Mann und ich mit unseren vier Kindern schon vier Jahre vorher in den Westen übergesiedelt waren“, erzählte eine 70-jährige Zahnärztin.

Sie hätten ihren christlichen Glauben in dem kommunistischen Land nicht leben können. Nun schränke der Staat schon wieder ihre „Freiheitsrechte“ ein. Das wolle sie nicht hinnehmen. Sie habe keine Angst vor dem Virus. Mehrere Menschen aus ihrem Umfeld hätten eine Infektion „ohne Probleme“ überstanden. Die amtlichen Statistiken seien „verfälscht“, „Todesfälle“ nach Impfungen würden „vertuscht“, Ärzte, die sich skeptisch äußerten, „mundtot“ gemacht.

Nur noch Kopfschütteln über Politik der Grünen

Von einem „totalen Missverhältnis“ zwischen dem Virus und den Schutzmaßnahmen sprach ein 75-jähriger Biobauer. Er könne heute über die Grünen, die er einst mitgegründet habe, „nur noch den Kopf schütteln“. Sie würden sich zu regionalen Strukturen bekennen, aber dabei zuschauen, wie durch die Corona-Beschränkungen Versandhandel-Konzerne „boomten“, während kleine Einzelhändler „kaputt“ gingen.

Skeptisch über die Schulmedizin, der es „nur um die Freiheit von Krankheitssymptomen, aber nicht um Heilung“ gehe, äußerte sich eine 52-jährige Industriekauffrau und Kinderpflegerin. Die „verordnete soziale Isolation“ mache Menschen, insbesondere die Älteren, krank. Sie fühle sich „bevormundet“. Jeder müsse selber entscheiden dürfen, welches Risiko er eingehe.

Endlich wieder Sport im Verein machen können

Zum ersten Mal bei einem Corona-Spaziergang dabei war auf Anregung eines Freundes ein 29-Jähriger. Er wolle endlich wieder im Verein Leichtathletik machen und klettern. Er lasse sich nicht impfen, weil eine Corona-Infektion bei jüngeren Menschen nicht so schwer verlaufe.

Er wisse, dass er im Falle einer Infektion andere anstecken könne, das könnten aber auch erkrankte Geimpfte. Das Argument, dass diese bei einer Infektion weniger Viren verbreiteten, wollte der junge Mann nicht gelten lassen. Und dass Menschen an Verschwörungserzählungen glaubten, sei seiner Meinung nach ein „gesamtgesellschaftliches Problem“ und nicht typisch für Gegner der Corona-Maßnahmen.

Unterwegs versuchten Gegendemonstrierende erneut, an die Aufzugsroute zu gelangen, um die Strecke zu blockieren. Einsatzkräfte mussten nach ersten Informationen vereinzelt „auch unmittelbaren Zwang in Form von Abdrängen und Wegschieben und in einem Fall auch Pfefferspray einsetzen.“ Im Zusammenhang mit den Einsatzmaßnahmen sei die Kamera eines Pressefotografen beschädigt worden.

Keine Demonstration am kommenden Montag

Gegen 19 Uhr endete die Demonstration der Kritiker der aktuellen Corona-Maßnahmen an der Stadthalle. Die Veranstalter gaben bekannt, dass es am kommenden Montag keine Demonstration geben werde.

Nach Beendigung der Demon der Corona-Kritiker wanderten etwa 80 Gegenprotestler vom Albaniplatz in die Innenstadt ab und formierten sich am Gänseliesel zu einem Aufzug, der anschließend mit insgesamt rund 150 Teilnehmenden über die Weender Straße in Richtung Berliner Straße zog. Die von der Polizei als Versammlung bewertete Aktion endete gegen 20 Uhr. (Stefan Rampfel /Michael Caspar)

Angemeldete Demonstrationen in Hann. Münden und Herzberg

Corona-Demos gab es laut Polizei am Montag in den Abendstunden auch an anderen Orten im Landkreis Göttingen.

Hann. Münden: Dort nahmen etwa 50 Personen an einer angemeldeten Demo durch die Innenstadt gegen die aktuellen Corona-Maßnahmen teil. Zu der ebenfalls angemeldeten Gegenkundgebung auf dem Rathausvorplatz kamen in der Spitze bis zu 30 Personen.

Herzberg: Im Südharz beteiligten sich etwa 45 Corona-Kritiker an einer „angezeigten Versammlung“ auf dem Marktplatz, berichtet die Polizei. Von dort setzte sich ein Demo-Zug über die Sonnengasse, An der Alten Mühle zur Hauptstraße in Bewegung. Nach etwa 15 Minuten erreichten die Teilnehmer wieder den Marktplatz. Dort angekommen hielten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Versammlung kurze Redebeiträge, die sich gegen die Corona-Impfpflicht sowie gen die Corona-Maßnahmen richteten. Nach einer rund 30-minütigen Abschlusskundgebung endete die Versammlung nach Angaben der Beamten ohne Störungen. (bsc)

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