UMG widerspricht Aussagen des Arztes

Universitätsmedizin: Keine Boni-Verträge für alle Oberärzte

Angeklagt: Dr. O. vor dem Schwurgericht am Landgericht Göttingen mit seinem Strafverteidiger Steffen Stern.
+
Angeklagt: Dr. O. vor dem Schwurgericht am Landgericht Göttingen mit seinem Strafverteidiger Steffen Stern.

Göttingen. Alle Oberärzte in der Universitätsmedizin hätten ähnliche, mit Bonuszahlungen versehene, Arbeitsverträge unterschrieben. Das hatte der angeklagte ehemalige Leiter der Transplantationsmedizin in der Uni-Klinik, Dr. O., am Montag zum Prozessauftakt gesagt.

Eine Aussage, die die Göttinger Universitätsmedizin so nicht stehen lässt: Eine generelle vertraglich festgeschriebene Boni-Regelung für Operationsleistungen für alle Oberärzte habe es nicht gegeben, teilte UMG-Sprecher Stefan Weller auf HNA-Anfrage mit.

Der Angeklagte hatte in einem persönlichen Statement vor Gericht auch davon gesprochen, dass er die Bonus-Regelung für eine bestimmte Menge an Lebertransplantationen vor Vertragsunterzeichnung abgelehnt und den damaligen Vorstand davon unterrichtet habe. Ohne Erfolg, er habe keine andere Wahl gehabt, sagt O. vor Gericht.

Zudem habe er dem Vorstand schriftlich per E-Mail mitgeteilt, dass er es generell für bedenklich halte, Bonuszahlungen für bestimmte Mengen von Operationen zu erhalten. Er könne den Schriftverkehr nachweisen.

In der Universitätsmedizin Göttingen gibt es solche Boni-Vereinbarungen seit Anfang 2011 generell nicht mehr. Der Arbeitsvertrag zwischen der UMG und Dr. O. wurde im Juli 2008 geschlossen. Ein Bestandteil dieses Vertrags war die auf die Jahre 2009 und 2010 befristete Vergütungsregelung, auf die sich der damalige Vorstand mit Herrn Prof. O. geeinigt hatte. Diese Regelung lief Ende des Jahres 2010 aus, sie hatte also zwei Jahre Bestand, teilt die UMG der HNA mit. „Aus heutiger Sicht lehnt der Vorstand der Universitätsmedizin derartige an Volumen orientierte Vergütungsregelungen strikt ab“, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Zunächst hatte O. ab der 21. Transplantation 1500 Euro erhalten, später ab der 31. Operation.

Der Prozess vor dem Landgericht Göttingen wird am Freitag fortgesetzt.

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.