Empörung in Bauausschuss und Bürgerinitiative

Keine Bürgerbeteiligung für Weender Dragoneranger, weil Ressourcen fehlen

Streitpunkt Dragoneranger: Bauausschuss hat Stadtverwaltung erneut aufgefordert, zusammen mit interessierten Bürgern ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.
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Streitpunkt Dragoneranger: Bauausschuss hat Stadtverwaltung erneut aufgefordert, zusammen mit interessierten Bürgern ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.

Die Bürgerinitiative Dragoneranger in Weende ist enttäuscht von der Göttinger Verwaltung. Der Stadt fehlt das nötige Personal, um eine Bürgerbeteiligung zu ermöglichen.

Göttingen – Göttingen fehlen „derzeit die Ressourcen“, um die Bürger an der Erarbeitung eines Nutzungskonzepts für den Weender Dragoneranger zu beteiligen. Diese Mitteilung der Verwaltung sorgte im städtischen Ausschuss für Bauen, Planen und Grundstücke parteiübergreifend für Empörung. Von „einem Schlag ins Gesicht“ der Anwohner sprach der Mitgründer und Sprecher der Bürgeriniative Dragoneranger, Dirk-Claas Ulrich.

Auf den Druck der BI hin, die Tausende Bürger mobilisierte, hatte der Rat im März die Ausweisung eines 14,7 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebiets verworfen. Auf Antrag der Grünen sollte die Verwaltung prüfen, ob sich die Fläche erneut als Landschaftsschutzgebiet ausweisen lasse. Gemeinsam mit den Weendern sollte die Stadt Überlegungen zur künftigen Nutzung der Fäche anstellen und über bessere Zugänge zum Naherholungsgebiet Leineaue nachdenken.

Die großen Monokulturen, die mit Maschinen und viel Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet würden, seien kaum schutzwürdig, erklärte die Verwaltung. Es existierten keine Randstreifen mit seltenen Kräutern, da die Bauern bis an den Wegesrand ackerten. „Aber die Flächen gehören doch der Stadt“, hielt Dr. Francisco Welter-Schultes (Piraten) dagegen. Die Stadt könne bestimmen, wie Pächter zu arbeiten hätten.

Ein Landschaftsschutzgebiet, argumentierte die Verwaltung weiter, würde außerdem die Nutzung von Agro-Photovoltaik erschweren. Solche Solarstromanlagen werden in mehreren Metern Höhe über dem Acker installiert, wodurch sich die Flächen weiterhin landwirtschaftlich nutzen lassen. Es gebe Wissenschaftler, die den Dragoneranger gerne für Feldversuche nutzen würden, hieß es während der Sitzung.

Sylvia Binkenstein (SPD) regte an, am Dragoneranger auch normale Photovoltaikanlagen direkt auf dem Boden zu installieren. Die SPD lebe offenbar „hinterm Mond“, sagte dazu BI-Sprecherin Dorothea Meldau, angesichts des damit verbundenen Verlusts an Ackerfläche. Felicitas Oldenburg (FDP) sprach sich dafür aus, Solarstrom ausschließlich auf Dachflächen zu gewinnen.

Pläne, auf dem Dragoneranger ein Betonwerk zu errichten, seien vom Tisch, betonte CDU-Fraktionchef Olaf Feuerstein. Er sprach sich jedoch angesichts knapper Gewerbeflächen in der Stadt dafür aus, dort zumindestens die Ansiedelung von „grünen Unternehmensgründungen aus der Universität heraus“ zu ermöglichen. Gebäude entlang der stark befahrenen Bundesstraße 3 würden als „Lärmschutz“ wirken, ergänzte der Ausschussvorsitzende, Hans Otto Arnold (CDU). Pirat Welter-Schultes warnte jedoch vor der damit verbundenen Flächenversiegelung und dem so erzeugten Verkehr. Zudem sei „die Tür dann offen“ für die Ansiedelung ganz normaler Firmen.

Der Ausschuss forderte die Verwaltung auf, mit den Bürgern zusammenzuarbeiten. Wenn ihr das nötige Personal fehle, solle sie sich die Unterstützung zukaufen, regte Christdemokrat Feuerstein an. (Michael Caspar)

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