Zustände in Göttinger Unterkünften sei "erniedrigend" 

Keine neue Flüchtlingsunterkunft in Göttingen - Initiative erhebt schwere Vorwürfe

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Gelände am Göttinger Schützenanger: Die vorherige Flüchtlingsunterkunft musste wegen Feuchteschäden abgerissen werden. Dort sollte eine neue Unterkunft entstehen. Unser Foto zeigt das Gelände im April 2019. 

Schwere Vorwürfe gegen die Göttinger Stadtverwaltung erhebt eine Fraueninitiative im Zusammenhang mit dem Baustopp einer geplanten neuen Flüchtlingsunterkunft auf dem Schützenanger. 

Die derzeitige Wohnsituation in den Unterkünften sei „erniedrigend“ und führe zu „Stress und Streit“, heißt es in einer Pressemitteilung der Fraueninitiative "Frauen in Aktion" vom Projekt OM10. 

Hintergrund: 200 Wohnplätze sollten ursprünglich am Schützenanger entstehen. Mittlerweile ist laut der Stadt Göttingen der Bedarf an Wohnplätzen aber gesunken, ein Bau somit nicht notwendig. Im Winter rechnete man noch mit 347 benötigten Plätzen, 83 Plätze in den Unterkünften seien aber nun frei.

Frauen und Kinder seien Gewalt und sexuellen Angriffen ausgesetzt

Eigentlich wollten sie sich in Deutschland zurechtfinden, am Leben teilnehmen und ihren Familien ein Zuhause geben, so die Initiative. Viele der Geflüchteten seien allerdings immer noch in Lagern untergebracht, in denen es keine Privatsphäre gebe und Frauen und Kinder Gewalt und sexuellen Angriffen ausgesetzt seien.

Stadt-Sprecher Dominik Kimyon erklärt auf Anfrage, dass solchen Verdachtsfällen immer sofort nachgegangen werde. Man lege Wert darauf, dass in den von freien Trägern betriebenen Unterkünften ein Sicherheitskonzept für schutzbedürftige Personen, zu denen Frauen und Kinder gehörten, vorliege. 

„Unsere Flüchtlingssozialarbeiter stehen im regelmäßigen Kontakt zu den Geflüchteten, die nicht in extern betriebenen Flüchtlingsunterküften leben“, sagt Kimyon.

"Die Belegung von Wohnungen erfolgt immer bestmöglich"

Ein weiterer Kritikpunkt ist laut Initiative die Belegung der Zimmer: Vielfach sollen sich sechs Personen, die sich gegenseitig unbekannt sind, eine 3-Zimmer-Wohnung teilen, fremde Paare in einer 2-Zimmer-Wohnung leben, und sich Erwachsene unterschiedlichen Geschlechts ein Zimmer teilen.

In den zuständigen Behörden würden die Bewohner häufig damit vertröstet, dass sie „kein Recht auf mehr Platz“ hätten oder es keine andere Wohnungen für sie gebe.

Gelände am Schützenanger: Von der ehemaligen Flüchtlingsunterkunft ist im Mai nur noch Bauschutt übrig. Dort sollte eine neue Unterkunft entstehen.  

„Die Belegung von Wohnungen erfolgt immer bestmöglich“, heißt es hingegen vom Stadt-Sprecher. So würde beispielsweise eine 3-Zimmer-Wohnung mit sechs Erwachsenen in der Regel aus dem gleichen Herkunftsland/gleichen Kulturkreis oder aber mit einer fünfköpfigen Familie belegt werden.

 „Der sechste Platz bleibt dann unbesetzt, da es aus unserer Sicht nicht sinnvoll ist, eine fremde Person einer Familie zuzuordnen“, sagt Kimyon. Wohnungen würden nicht mit Personen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht zu einer Familie gehörten, belegt.

Für den Bau vorgesehene Fläche bleibt in der Hinterhand

Der aktuelle Bedarf an Wohnplätzen könnte unter anderem durch den Ankauf von Belegrechten (zum beispiel bei der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft), die Übernahme von Quoten der Stadt durch die Landkreise Göttingen und Hameln-Pyrmont, Vermittlungen in den freien Wohnungsmarkt und die Verlängerung der Nutzung der Unterkunft auf den Zietenterrassen abgedeckt werden.

„Die für den Bau vorgesehene Fläche werden wir aber in der Hinterhand halten, falls der Bedarf entsprechend steigt“, sagt Dominik Kimyon.

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