Ein Keller ist ganz oben: Kultur-Staatsministerin zeichnet „Nörgelbuff“ aus

Unscheinbar aber Kult: Der Live-Club „Nörgelbuff“ in der Groner Straße 23. Dort gibt es im mittelalterlichen Gewölbekeller regelmäßig Auftritte auch von Stars der Musikszene. Jetzt erhielt der Club eine Auszeichnung von der Kultur-Staatsministerin. Foto: Kopietz

Göttingen. Der „Nörgelbuff“ ist nicht nur ein traditionsreicher und bekannter, sondern nun auch ein ausgezeichneter Musik-Club: Er hat die Auszeichnung „Applaus 2015“ erhalten.

300 Bewerbungen waren dafür eingegangen, 36 Clubs und 28 Veranstaltungsreihen wurden von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters am Montag in München ausgezeichnet und auch finanziell belohnt: 905.000 Euro verteilte die Ministerin an die Kulturschaffenden.

Und der Nörgelbuff, dessen Konzerte in einem mittelalterlichen Keller stattfinden, kam dabei super weg: Die Göttinger Kult-Musikkneipe wurde in der Kategorie I geehrt. Zusammen mit dem einzigen norddeutschen Hamburger „Hafenklang“ und weiteren 15 Preisträgern erhielt der „Buff“ 30.000 Euro.

In anderen Kategorien wurden auch die „Tonhalle“ in Hannover und „Salon Hansen“ in Lüneburg als Niedersächsische Locations belobigt.

Glückliche Gesichter: Die Vertreter vom Verein Rockbüro Göttingen, in der Mitte Michael Schluff, nahmen den Preis von Kultur-Staatsministerin Prof. Monika Grütters in München entgegen. Foto: nh

„Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung der Arbeit unseres Teams“, sagte Michael Schluff. Das Preisgeld soll aber nicht in Engagements toller Künstler investiert werden, sondern ganz praktisch: Das bei Jazz-, Rock- und Unplugged-Sessions genutzte E-Piano muss ersetzt werden. Auch das Bühnenlicht muss aufgerüstet werden. Denn, wie Schluff erzählt, das Bühnenlicht erlaubt es nicht, dass Live-Fotos oder -Videos von den Konzerten gemacht werden können. Die digitale Anlage soll modernisiert werden - was dank des Preisgeldes möglich ist.

Ausgewählt wurden die prämierten Clubs und Veranstaltungsreihen von eine Jury bestehend aus Veranstaltern, Musikern und Prof. Dr. Dieter Gorny (Ex-VIVA). Er sagte: „Die Preisträger sind ein Spiegel des musikalischen Schaffens und der regionalen Kulturpolitik.“ Mit dem Preis könne man ganz gezielt lokale Kulturförderer in ihrer Arbeit unterstützen. Damit werde auch den schwierigen Rahmenbedingungen der Live-Musik-Klubs Rechnung getragen. Musik-Clubs bereichern laut Dieter Gorny zudem die deutsche Musiklandschaft, in dem sie auch neue, spannende Musik auf die Bühnen bringen.

Der Spielstättenprogramm, preis hat einen neuen Namen bekommen: APPLAUS. Der treffende Titel steht für Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten.

Hintergrund: Die Geschichte des legendären Keller-Live-Music-Clubs Nörgelbuff 

Der Keller-Live-Club Nörgelbuff ging aus dem Lokal „Plaudertasche“ hervor, wo in den 50er-Jahren die Stars und Sternchen in der Film-Stadt, Intellektuelle und Schauspieler gerne einkehrten. Aus dem „Künstlerkeller Intermezzo“ wurde 1970 der „Nörgelbuff“. Der Name rührte daher, dass Geschäftsführer Rolf Linnemann der Meinung war, die Göttinger Studenten nörgelten zu viel. Die Mini-Bühne war eine Plattform mit Platz für zwei Stühle

Das Programm bestand zunächst aus Folkmusik und Kabarett. Es kamen klangvolle Namen wie Otto Waalkes, Hannes Wader, Insterburg & Co., Gottfried Böttger und Ulrich Roski. 1979 übernahm der Verein Kleinkunstbühne. Später entstand die „Nörgelbuff GmbH“, übernommen vom ehemaligen Zapfer und späteren DJ Niko Venus. Die weitere Geschichte brachte viele Wechsel und einen Konkurs. In den 90er-Jahren ging es aufwärts. Der „Nörgelbuff“ wird - auch in der internationalen in der Musikszene - zu einem Namen. Immer wieder kame großartige Musiker seitdem nach Göttingen, dank guter Kontakte, einem Top-Ruf als Live-Club und der einzigartigen gedrängten Keller-Atmosphäre. 2000 machte der „Buff“ zu. Gonzo Fibiger, Mick Noonan und Michael Schluff starteten 2002 wieder durch. 2005 wollte OB Danielowski den Häuserkomplex verkaufen und abreißen lassen. Wieder schließt der „Buff“. 2006 ging es als „Sugar“ weiter. 2007 wurde der Verein Rockbüro Göttingen gegründet, der ausgeräumte „Buff“ wieder möbliert. Im Mai 2007 ging es weiter: Das Rockbüro betreibt seitdem den „Nörgelbuff“. Jeden Montag spielt dort die House-Band, und manchmal Größen wie Alvin Lee, auch, weil es eine Kooperation mit international operierenden Plattenfirmen gibt.

Programm/Karten/Infos: www.noergelbuff.de

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