Bis zum 12. Juni

36-Jährige läuft um Göttingen, um Geld für ihre Gehhilfe zu sammeln

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Auftakt am Montag: Kathi Karstedt will mit einer Neuro-Orthese 280 Kilometer rund um Göttingen marschieren und Spenden für ihe Gehhilfe und den Verein Kimbu sammeln. Erste Reihe von links: Kimbu-Geschäftsführerin Kerstin Mollenhauer, Karstedt mit Maskottchen Kalli und Freundin Susanne Kindermann sowie Alfred Thies, Leiter der Orthopädiewerkstatt beim Sanitätshaus O.R.T.

Göttingen. 280 Kilometer zu Fuß rund um Göttingen, in sechs Wochen - damit will Kathi Karstedt Geld für ihre Gehhilfe und für die Kinderhauspflege Kimbu sammeln.

Gestern war Kathi Karstedt noch wütend - am Montag lächelt sie und marschiert trotzig los. Am Sonntag hatte ein vermeintlicher Betrüger beim Rosdorfer Lauftag ihr Projekt „Kathi geht“ ausgenutzt, um sich zu bereichern. Er hatte sich als Mitarbeiter des Westdeutschen Rundfunks ausgegeben und behauptet, die inkomplett Querschnittsgelähmte Karstedt unterstützen zu wollen. Mit dem gesammelten Geld verschwand er. Kathi Karstedt erstattete Anzeige.

„Das war für mich ein Schlag ins Genick“, erzählt sie am Montag und reagiert trotzig: „Ich werde solchen Menschen keine weitere Bühne geben.“ Bereits am gestrigen Abend habe sie viel Zuspruch und Unterstützung von Freunden und Fans erhalten - das habe sie wieder aufgebaut.

Heute will die 36-Jährige die ersten 15 Kilometer absolvieren. Es geht in Richtung des Bio-Energiedorfs in Jühnde. Im Gepäck hat sie bereits 2000 Euro an Spenden von Unternehmen, Vereinen und Privatmenschen. Weitere 8000 Euro und sie kann die 10.000 Euro teure Neuro-Orthese, die sie als Leihgabe vom Sanitätshaus O.R.T. erhielt, abbezahlen. Weitere Stationen sind Friedland, Duderstadt, Uslar und Nörten-Hardenberg. Jeder weitere Euro, den Karstedt während ihrer Reise sammelt, geht an den Verein Kimbu für Häusliche Kinderkrankenpflege. Karstedt kennt Kimbu seit 2009. Damals hatten Unbekannte Reifen der Vereins-Fahrzeuge zerschlitzt. Über das Laufprojekt will Karstedt den Verein unterstützen.

Nach einer Infektion im Rückenmark kann Karstedt seit 2013 nicht ohne technische Hilfsmittel gehen. „Ohne Krücken ging gar nichts mehr“, erklärt sie. Dank der Orthese, die an das Bein angelegt wird, kann sie normal laufen. Das Hilfsmittel wird aber nicht von der Krankenkasse bezahlt. Die Technik erklärt Alfred Thies, Werkstattleiter beim Sanitätshaus O.R.T.: „Unter dem Fuß ist ein Kontaktschalter, dadurch strafft sich die Muskulatur, wenn sie auftritt.“ Der Akku hält laut Hersteller 48 Stunden - Thies geht bei Dauerbelastung von 24 Stunden aus.

Am 12. Juni will Karstedt mit ihrem Lauf fertig sein. Dabei wird sie nie allein sein. Viele Freunde und Unterstützer - darunter Kimbu-Geschäftsführerin Kerstin Mollenhauer - haben bereits angekündigt sie an einzelnen Tagen zu begleiten. Pausen sind auch eingeplant. Übernachten wird sie allerdings zu Hause - damit Karstedt ihren eigenen Akku und den ihrer Gehhilfe wieder aufladen kann.

„Kathi geht“ kann auch im Internet verfolgt werden: unter www.kathi-geht.de stellt Kathi Karstedt sich selbst und ihr Projekt vor - jede Station ihrer Route ist eingetragen.

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