Kinderbischöfe in Nikolausberg: Botschafter für die Kinder

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Jährliches Ritual in Nikolausberg: Pastor Gert Liebenehm und Patin Anne Däuble (hinten) führten Johana Hlawácorá (vorn, links) und Julia Gotthardt in ihr Amt als Kinderbischöfe ein.

Göttingen. Sich für die Interessen von Kindern einsetzen - das ist die Aufgabe der Kinderbischöfe. Seit 16 Jahren gibt es diese Tradition im Göttinger Stadtteil Nikolausberg.

Julia Gotthardt und Johana Hlawácorá haben am 6. Dezember vergangenen Jahres das Amt der Kinderbischöfe für ein Jahr übernommen. Beide besuchen die vierte Klasse der Janusz-Korczak-Schule in Nikolausberg. „Ich will Kindern helfen, die Probleme haben. Außerdem gehe ich gerne in die Kirche“, erklärt die neunjährige Julia.

Die Kinderbischöfe, die mit Kibi abgekürzt werden, sind nicht nur Ansprechpartner für Gleichaltrige, sondern machen auch Erwachsene auf Probleme aufmerksam. „Die Kibis sind für uns Erwachsene wie Antennen für die Kinderwelt. Durch sie rücken Kinder und Erwachsene näher aneinander“, erklärt Marc Glöde. Er ist seit Dezember 2014 als Kibi-Pate tätig. Auch seine Tochter Greta war bereits Kinderbischöfin. „Wir Paten sind das Sprachrohr der Kinderbischöfe. Aber wir halten uns im Hintergrund“, sagt Anne Däuble, die seit fünf Jahren ehrenamtlich als Patin arbeitet.

Durch die Kinderbischöfe werden Kirche, Schule und der Sportverein NSC miteinander vernetzt. „Normalerweise gibt es immer drei Kibis, jeweils einer aus den drei Bereichen“, erklärt Däuble. Doch ein Mädchen sei kurzfristig abgesprungen.

Bei Taufen dabei 

Zu den Aufgaben der Kinderbischöfe gehört auch, sich beim Gottesdienst einzubringen. Sie sind beispielsweise auch bei Taufen oder Familiengottesdiensten dabei. Doch für Kibis ist es keine Voraussetzung, Mitglied in der Kirche zu sein.

„Häufig werden von den Kinderbischöfen Probleme im Straßenverkehr angesprochen“, sagt Däuble. So sei es der Verdienst der Kinder gewesen, dass es am Ortseingang ein Verkehrsschild gibt, welches auf Radfahrer hinweist. „Jahrelang hatten die Grünen deshalb Anträge gestellt, aber die Kibis haben es geschafft.“

Schatzsuche 

Julia und Johana planen unter anderem eine Schatzsuche in der Kirche und einen Frühlingsspaziergang mit Ortsbürgermeisterin Karola Margraf. „Wir wollen uns zusammen mit Frau Margraf die Spielplätze ansehen“, erklärt die zehnjährige Johana.

Hintergrund: Kinderbischöfe aus ganz Deutschland sollen sich in diesem Jahr treffen

Die Tradition der Kinderbischöfe geht bis ins Mittelalter zurück. Damals übernahmen Schüler an kirchlichen Dom-, Stifts- und Klosterschulen mit dem Patronat des heiligen Nikolaus am 6. Dezember für einen Tag das Ruder.

Pfarrer und Lehrer wurden historischen Berichten zufolge für zu viel Strenge gerügt oder für besondere Fürsorge gelobt. Kinderbischöfe gibt es inzwischen beispielsweise in Berlin, Hamburg, Ottstedt (Thüringen) und im Göttinger Stadtteil Nikolausberg. In diesem Jahr ist erstmals eine Konferenz geplant, bei der sich die Kinderbischöfe aus ganz Deutschland kennenlernen und ihre Erfahrungen untereinander austauschen sollen.

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