Produzent Cornelis Kater

Dreh in Südniedersachsen: Film über die letzten Tage der Menschen

Hat das Drehbuch geschrieben: der Göttinger Sozial- und Medienwissenschaftler Cornelis Kater.
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Hat das Drehbuch geschrieben: der Göttinger Sozial- und Medienwissenschaftler Cornelis Kater.

Der Sauerstoff geht zur Neige. In wenigen Wochen droht die Menschheit qualvoll zu ersticken. „Was würde ich in einer solchen Situation machen?“, hat sich der Göttinger Sozial- und Medienwissenschaftler Cornelis Kater (44) gefragt – und ein Drehbuch geschrieben. Seinen 24-minütigen Film Lo2ss hat das Göttinger Kino Méliès während des Europäischen Filmfestivals gezeigt.

Göttingen – Die vielen Nachrichten über den Klimawandel sind an David, dem Helden der Geschichte, vorbeigerauscht. Zu sehr nahm ihn der Alltag in Beschlag. Als es es ernst wird, bricht er auf dem Balkon seiner Hochhauswohnung zusammen. Während unten auf der Straße der Mob mit den Plünderungen beginnt, flieht David, empfindsam gespielt von Jan Huttanus. Mit einem Karabiner in der Hand und dem Kofferraum voller Lebensmittel fährt er in sein Wochenendhaus aufs Land.

„Einen Film wollte ich schon lange machen“, erzählt Kater, der seit Studientagen im Göttinger Theater im OP (ThOP) aktiv ist. Mittlerweile leitet er an der Leibniz-Universität in Hannover den Servicebereich E-Learning. Einen seiner Mitarbeiter dort, Jesko Thiel, konnte der Drehbuchautor und Produzent für Regie, Schnitt und Kammerassistenz gewinnen.

Ein Freund stellte ihm eine Wohnung im 20 Stockwerke hohen Bredero-Hochhaus am Hauptbahnhof in Hannover zur Verfügung. Die Aufnahmen auf dem Land entstanden im umwerfend schönen Haus der K2Architekten – Irmgart Kösters und Kai Korth – in Eddigehausen. Drei Wochenenden lang nahm es Katers Crew im Beschlag.

Den Hauptdarsteller sprach der Produzent an, als beide zufällig in der gleichen Schlange warteten. Sie kennen sich vom ThOP. Der weiblichen Hauptdarstellerin, Frederike Duggen, begegnete Kater auf einer Hochzeit. Sie war während der Dreharbeiten schwanger, was die Dramatik des Films noch steigert. Duggen fiel allerdings kurz nach Beginn der Filmaufnahmen gesundheitsbedingt für ein gutes Jahr aus. Erst danach konnte sie – nun mit künstlichem Babybauch – weitermachen. Die musikalischen Themen für die beiden Hauptdarsteller entwickelte Alexander Sulzberg. Johannes Herbolt arbeitete sie dann zur kompletten Filmmusik aus.

Die Kosten stiegen unaufhaltsam. „Eigentlich war ich von einem Budget von 3000 Euro ausgegangen“, erzählt Kater. Am Ende wurden es 18.000 Euro. Hoffnungen auf Fördergelder zerschlugen sich. Er hätte sich von dem Geld auch ein neues Auto kaufen können oder eine schöne Reise machen, sagt der Produzent. Noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben, dass er sein Werk einem Fernsehsender verkaufen kann.

Positive Rückmeldungen bestärken ihn. Der Film ist bereits auf verschiedenen Festivals in Europa und den USA zu sehen gewesen. Die Uraufführung war im August im polnischen Krakau. In den kommenden Monaten will Kater Lo2ss in Schulen zeigen. Im Philosophieunterricht einer elften Klasse des Göttinger Max-Planck-Gymnasiums sorgte er bereits eine Doppelstunde lang für Gesprächsstoff. (Michael Caspar)

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