Göttingen

Klage gegen Ex-Ditib-Vorsitzenden: Staatsanwaltschaft Göttingen geht von Hassbotschaften aus

Sitz der Staatsanwaltschaft Göttingen am Waageplatz in Göttingen.
+
Behörde: Sitz der Staatsanwaltschaft Göttingen am Waageplatz in Göttingen.

Volksverhetzung und Billigung von Straftaten – das sind die Vorwürfe gegen den Ex-Vorsitzenden der Göttinger Ditib-Gemeinde, Mustafa Keskin. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.

Göttingen – Weil er in sozialen Medien Hassbotschaften gegen Juden und Armenier verbreitet haben soll, muss sich der langjährige Vorsitzende der Göttinger Ditib-Gemeinde, Mustafa Keskin, demnächst vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat gegen den Ex-Funktionär des türkischen Islamverbandes fünf Anklagen vor dem Strafrichter des Amtsgerichts Göttingen erhoben.

Die Strafverfolgungsbehörde wirft dem 53-Jährigen in vier Fällen Volksverhetzung sowie in einem Fall die Billigung von Straftaten vor. Die Einträge seien zwischen Mai 2015 und Februar 2021 in türkischer Sprache auf dem privaten Account des 53-Jährigen veröffentlicht worden, erklärte Behördensprecher Andreas Buick am Mittwoch,30. Juni.

Ex-Ditib-Vorsitzender Keskin angeklagt: Antisemitische und antiisraelische Posts im Netz

Mustafa Keskin war im März als ehrenamtlicher Vorsitzender des deutsch-islamischen Moscheeverbandes (Ditib) in Göttingen zurückgetreten. Zuvor hatte die sozialistische Jugendorganisation „Die Falken“ in Göttingen entdeckt und darauf hingewiesen, dass auf der Facebook-Seite des Ditib-Funktionärs auch antisemitische und antiisraelische Posts zu finden seien.

Einer der Einträge nimmt Bezug auf das Attentat des türkischen Rechtsextremisten Ali Agca, der im Mai 1981 Papst Johannes Paul II. durch drei Schüsse verletzt hatte. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Ex-Ditib-Funktionär in dem Eintrag eine Straftat gebilligt. Sinngemäß soll es darin heißen, dass man sich nicht wundern dürfe, wenn man solchen Leuten in den Kopf schieße.

Die Äußerung bezieht sich auf Papst Franziskus, der die Vertreibung und Ermordung von 1,5 Millionen Armeniern im 1. Weltkrieg als Völkermord anerkannt hat. Die türkische Regierung weigert sich bis heute, die damaligen Taten als Genozid anzuerkennen.

Ex-Ditib-Vorsitzender Keskin angeklagt: Volksverhetzung und Verschwörungsmythen

Ein weiterer Beitrag, in dem Armenier verunglimpft werden, erfüllt nach Ansicht der Staatsanwaltschaft den Tatbestand der Volksverhetzung. Drei weitere als Volksverhetzung eingestufte Posts richten sich gegen Juden und Israelis. In einem Fall werden laut Staatsanwaltschaft auch antisemitische Verschwörungsmythen von einer jüdischen Weltherrschaft verbreitet.

Die Göttinger „Falken“ hatten damals auf die Janusköpfigkeit von Keskins Auftreten hingewiesen. Der Ditib-Funktionär habe sich in interreligiösen Arbeitskreisen in Göttingen als offen und tolerant ausgegeben, während er in sozialen Medien antisemitische und rassistische Hassbotschaften verbreitet habe.

Der Ditib-Landesverband hatte sich nach Bekanntwerden der Vorwürfe von Keskins Äußerungen distanziert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.