Klassenfahrten-Boykott: So läuft es an Göttinger Schulen

Schüler wollen Klassenfahrten: Demonstration von Schülern am Mittwoch in Hannover gegen den Klassenfahrten-Boykott von Gymnasiallehrern. Der Landesschülerrat hat zu einem landesweiten Schulstreik aufgerufen. Foto: dpa

Göttingen. An Göttinger Schulen sind die Ansichten unterschiedlich, was das Streichen von Klassenfahrten angeht.

Rita Engels, Schulleiterin am Otto-Hahn-Gymnasium (OHG), sagt: „Bei uns werden die Klassenfahrten und die Kursfahrt im elften Jahrgang gestrichen. Schüleraustausch und Projekte laufen weiter. Ich glaube, man muss es ein bisschen differenzierter sehen, mehr als nur einen Protest gegen Mehrarbeit. Es gehe auch um das gebrochene Versprechen der Regierung“. Man habe auf dem Arbeitszeitkonto über zehn Jahre Stunden angespart. Die Regierung habe versprochen, diese Arbeitszeit abbauen zu können, das sei aber nicht eingehalten worden. Deshalb blieben „Klassenfahrten gestrichen, bis von der Regierung Zugeständnisse gemacht werden“, so Engels.

Ähnlich ist die Situation am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG). Die Klassenfahrten in den Jahrgängen 7 und 10 fallen aus, auch die Fahrt in der Oberstufe. Es gibt aber die Kennenlernfahrt in Klasse 5, Unterrichtsfahrten, Fahrten wie zu Orchesterauftritten sowie Projektfahrten. Als Europa-Schule könne man nicht auf Austauschfahrten verzichten. Die Regelung soll am THG in diesem Schuljahr gelten. Schulleiterin Dr. Ulrike Koller sagt: „Kritiker könnten uns eine halbherzige Haltung vorwerfen.“ Klassenfahrten aber seien pädagogisch wertvoll. „wir warten ab, was in Hannover passiert.“ Die Schülervertretung hat sich gegen einen Streik ausgesprochen. Der würde die Falschen treffen, nämlich Schulen und Lehrer. Die Schuldigen aber säßen im Kultusministerium.

Wolfgang Vogelsänger, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule (IGS-Geismar) sagt: „wir fahren. Es geht ja nur darum, dass Lehrer nicht 23,5, sondern 24,5 Stunden arbeiten sollen“. Gymnasiallehrer an Gesamtschulen würden aber schon seit Jahren 24,5 Stunden arbeiten. „wir sehen nicht ein, dass Lehrer an Gesamtschulen länger arbeiten als die an Gymnasien.“ Die Anpassung auf 24,5 Stunden sei gerecht.“ Auch sei eine Klassenfahrt pädagogisch wichtig. Man könne sie nicht einfach aufkündigen“. Es wäre sinnvoller, die Schülerzahlen in den Klassen zu senken. „Das würde Arbeitskraft einsparen und Stress entgegenwirken.“ Tom Wedrins, Direktor der Geschwister-Scholl-Gesamtschule (KGS) teilt mit, dass es Klassenfahrten in allen Jahrgängen geben wird, „obwohl die Lehrer mit Gymnasialausbildung auch eine Stunde mehr pro Woche unterrichten müssen“.

Von Jürgen von Polier und Thomas Kopietz

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