Solidaritätsaktionen in Göttingen

Kleine Gesten mit Riesenwirkung in Zeiten der Corona-Pandemie 

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Privatkonzert: Zwischen den Bettenhäusern der Universitätsmedizin Göttingen spielte Jannes Schreiber für Mitarbeiter und Patienten.

Gratiskonzert am Klinikum, Schüler mit Danke-Plakat und Mitarbeiter von Krankenhäusern mit Aktionen: Nette Gesten in Zeiten der Corona-Krise.

  • Menschen in Göttingen starten unterschiedliche Aktionen
  • Die kleinen Gesten erzeugen viel positive Rückmeldungen
  • Zusammenhalten und die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen

Es sind die kleinen, positiven Gesten, die in diesen Tagen der Corona-Krise begeistern, Aufmerksamkeit und viel Lob erhalten: Da stellt sich der Schüler Tim Wiedenmeier mit einem Schild und riesengroßen Lettern „Danke“ vor den Eingang der Uni-Klinik. Da senden Mitarbeiter der UMG und des Weender Krankenhaus jeweils klare Botschaften aus: „Wir bleiben für Euch hier! Bleibt Ihr bitte zu Hause!“.

Da schnappt sich der Sänger und Liedermacher Jannes Schreiber seine Gitarre, eine Verstärkerbox, stellt sich zwischen die Bettenhäuser des Klinikums und singt. Das macht Hoffnung, in düsteren Zeiten, denn COVID 19 verbreitet sich auch im Landkreis Göttingen zunehmend, was die Zahlen beweisen.

Beifall und Dankeswinken aus den Fenstern für das Spontan-Konzert von Jannes Schreiber zwischen den UMG-Bettenhäusern.

Corona-Krise in Göttingen: Besucherstopp in Krankenhäusern

Die Uni-Klinik, das Weender Krankenhaus und andere Krankenhäuser reagieren, mit einem Besucherstopp, um die Mitarbeiter und Patienten zu schützen. Sie stocken die Kapazitäten auf, um für die Aufnahme weiterer schwerkranker Corona-Patienten gewappnet zu sein. Die UMG schränkt Forschung, Lehre und Versorgung in der Mensa und Restaurants ein. Viele Mitarbeiter arbeiten von zu Hause.

„Es gibt vielfältige, anrührende Gesten und Solidaritätsbezeugungen aus der Bevölkerung“, wie die UMG mitteilt. „Dafür sind wir zutiefst dankbar“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Brück, Vorstandssprecher.

Konzert von Jannes Schreiber aus Göttingen sorgt in der Corona-Krise für Ablenkung

Aufruf auch aus dem Weender Krankenhaus, wo die Mitarbeiterinnen Jennifer Sonntag und Steffi Göbel Schilder präsentieren.

So spielt am Freitag ein junger Göttinger Musiker zwischen den Bettenhäusern, wo die Akustik gut ist, er viele Menschen an den Fenstern auf den Stationen erreicht: Jannes Schreiber, Göttinger kennen ihn als Frontmann von Tom Schreibers Blume, eine prima Band, die sich kürzlich aufgelöst hat. Und sie kennen ihn als Musiker mit rau-markanter Stimme in der Göttinger Fußgängerzone, wo sich der Student Schreiber gern ein paar Euro verdient.

Die „City“ ist jetzt verwaist, also zieht Jannes los, um den Menschen im Klinikum Zerstreuung und Zuneigung zu schenken. 20 Minuten spielt er auf dem Platz vor dem MRT-Gebäude für Patienten und Mitarbeiter.

Hinter den Fenstern und auf den Balkonen zeigen sich diese, winken und machen Handy-Fotos. Am Ende gibt es viel Beifall aus allen Stockwerken der Bettenhäuser. Jannes Schreiber ist bewegt: „Das macht wahnsinnig viel Spaß. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man den Menschen in solch einer Situation Freude bereiten kann."

Corona-Krise in Göttingen: Musiker und Schüler zeigen sich mit berührenden Aktionen solidarisch

Die Idee zu dieser Aktion hatte Phillip Holländer von der Göttinger Band FLOOOT, die 2015 mit ihrem Lied „Göttingen“ bekannt wurde. Weitere Musiker aus Göttingen haben schon zugesagt und wollen auch am Uni-Klinikum vorbeikommen und spielen.

Vor dem Haupteingang steht am Donnerstag um 14 Uhr Tim Wiedenmeier. Der 14-jährige Schüler hält ein Pappschild und grüßte die UMG-Beschäftigten solidarisch: „Danke sagen zu allen, die jetzt für uns da sind“. Wiedenmeier ist einfach zum Klinikum gegangen, und er will immer wiederkommen, um damit seine Verbundenheit mit den Klinikums-Mitarbeitenden auszudrücken (wir berichteten).

UMG-Mitarbeiter: Bürger sollen zu Hause bleiben, damit sich das Coronavirus in Göttingen nicht so schnell ausbreitet

Glasklarer Appell: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitätsmedizin Göttingen setzen ein Zeichen für das Zuhausebleiben: Mit auf dem Foto dabei sind auch Dr. Susane Thomczyk (Oberärztin), Philipp Echterbeck (Arzt), Vivien Neumann (Pflege), Carsten Hoffmann (Pflege) und Ilka Meyer (PJlerin).

Aus der Unfallchirurgischen Notaufnahme der UMG grüßt derweil ein Team von Ärzten, Pflegekräften und Medizinstudierenden mit Schildern „Wir bleiben für Euch hier … bitte bleibt ihr für uns Zuhause“. Bundesweit fordern Klinikumsmitarbeiter mit dieser Aktion die Menschen zum disziplinierten Zuhausebleiben und die Bevölkerung auf, aktiv und bewusst mit dazu beizutragen, dass sich der Coronavirus nicht so schnell ausbreiten kann. 

Und damit auch sich selbst zu schützen und für die vielen Beschäftigten in Kliniken und Krankenhäusern die Gefahr einer Ansteckung im öffentlichen Raum zu verhindern.

Kampf gegen Corona: UMG in Göttingen erhält viel Unterstützung auf Facebook

Die UMG hat diese Geste auf ihrem Facebook-Kanal gepostet. Innerhalb von 24 Stunden hat es 80.000 Kontakte gegeben. Über 50 Kommentare haben den UMG-Mitarbeitern Mut zugesprochen, allen Ärzten und Pflegenden ihren Dank ausgedrückt und Kraft für die kommende Zeit gewünscht.

Kampf gegen Corona: Vorstand von UMG in Göttingen freut sich über die positiven Reaktionen

Dr. Martin Siess, Vorstand Krankenversorgung und Leiter des UMG-Krisenstabes freut sich: „Das zeigt uns, wie sehr die UMG im Bewusstsein der Bevölkerung präsent ist und dass die Menschen genau verstanden haben, worum es jetzt geht und wer hier gefordert ist: Es sind alle Mitarbeitenden in den Kliniken der Region, Ärzteschaft, Pflegekräfte, die Administration, die alle das Räderwerk eines Krankenhauses am Laufen halten. Es sind die Haus- und Fachärzte, die sich an der Pandemie-Front für ihre Patientinnen und Patienten einsetzen, ihnen helfen. Die UMG wird als Maximalversorger alles tun, damit die Menschen in schweren Zeiten bestens versorgt werden“, bekräftigen Siess und Brück.

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