Sieben Monate altes Mädchen war in Lebensgefahr

Kleinkind durch Schütteln schwer verletzt: Bewährungsstrafe für Kraftfahrer

Göttingen. Weil ein Kraftfahrer das Kind seiner Lebensgefährtin so heftig geschüttelt haben soll, dass es schwer verletzt wurde, hat ihn das Amtsgericht Göttingen nun verurteilt.

Das Amtsgericht Göttingen hat am Donnerstag einen 31-jährigen Kraftfahrer wegen gefährlicher Körperverletzung eines Kleinkindes zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 31-jährige Angeklagte im Sommer vergangenen Jahres die sieben Monate alte Tochter seiner Lebensgefährtin so stark geschüttelt hatte, dass sie bewusstlos wurde. Das Kind wurde mit lebensgefährlichen Hirnverletzungen in die Uni-Klinik gebracht, wo es nach einem neurochirurgischen Eingriff intubiert und beatmet wurde.

Eine rechtsmedizinische Untersuchung ergab damals, dass das Kind unter anderem eine flächige Blutung unter der harten Hirnhaut sowie ausgeprägte Einblutungen unter der Netzhaut aufwies. Außerdem habe es neurologische Ausfälle gehabt, sagte der Göttinger Rechtsmediziner Professor Wolfgang Grellner. All dies seien typische Befunde eines Schütteltraumas. Die lebensgefährlichen Verletzungen könnten nur durch vielfaches heftiges Schütteln und heftige Pendelbewegungen des Kopfes entstanden sein. 

Der Angeklagte hatte damals erklärt, dass das Kind aus dem Bett gestürzt sei. Später gab er an, dass er das Kind hochgeworfen habe, es dann aber nicht mehr habe auffangen können. Der Rechtsmediziner hielt beide Versionen für ausgeschlossen.

Nach Einschätzung eines Rettungsmediziners bestand konkrete Lebensgefahr. Ohne die schnelle Operation hätte das Kind nicht überlebt. Auch sonst habe es großes Glück gehabt. In mehr als 50 Prozent der Fälle blieben nach einem Schütteltrauma dauerhafte Schädigungen zurück.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung gefordert hatte. Die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten vor, dass er wegen Körperverletzung vorbestraft ist und zur Tatzeit unter Bewährung stand. Verteidiger Patrick Riebe plädierte dagegen auf eine elfmonatige Bewährungsstrafe. Sein Mandant lebe weiter mit seiner Lebensgefährtin zusammen, mit der er inzwischen auch ein gemeinsames Kind habe. Er kümmere sich liebevoll um die Kinder, nur einmal habe er unter ungeklärten Umständen in einer Situation versagt.

Letzte Chance

Der 31-Jährige hatte keine Angaben dazu gemacht, was damals passiert war. Er stehe aber zu seiner Verantwortung und schäme sich für alles, sagte er. Weil er inzwischen eine feste Arbeitsstelle hat und seither nichts vorgefallen ist, gab ihm das Gericht eine letzte Chance. Eine weitere Bewährung werde es aber nicht geben, sagte der Vorsitzende Richter Oliver Jitschin. „Wenn jetzt noch mal was passiert, rücken Sie ein.“

Rubriklistenbild: © dpa

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