1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

„Klimawandel ist Jahrhundertaufgabe“: Harald Lesch liest in Göttingen

Erstellt:

Von: Kim Henneking

Kommentare

Lesung im Deutschen Theater in Göttingen: Thomas Kaufmann, Harald Lesch und Uni-Präsident Metin Tolan.
Hatten sichtlich Spaß bei der Lesung im Deutschen Theater: (v. l.) Thomas Kaufmann, Harald Lesch und Uni-Präsident Metin Tolan. © Kim Henneking

Astrophysiker Harald Lesch stellt in Göttingen sein neues Buch vor. Uni-Präsident Metin Tolan und Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann ergänzen die Runde.

Göttingen – „Stellen Sie sich mal vor, wir würden jemanden, wie den Dalai Lama zum Kanzler wählen.“ Mit diesem Vorschlag bringt Harald Lesch das Publikum im vollbesetzten Deutschen Theater in Göttingen herzhaft zum Lachen und dann augenscheinlich zum Grübeln. Das Leben wäre wohl ein anderes, sinniert Lesch.

Am letzten Tag des Göttinger Literaturherbsts stellte der bekannte Astrophysiker und Naturphilosoph sein Buch „Über dem Orinoco scheint der Mond“ vor, das er zusammen mit dem Publizist und Dokumentarfilmer Klaus Kamphausen geschrieben hat.

Der Dalai Lama als Bundeskanzler? Harald Lesch liest in Göttingen aus seinem neuen Buch

Göttingens Unipräsident Metin Tolan, ebenfalls Physiker, moderierte die Lesung, bei der sich Lesch mit dem Göttinger Theologen und Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann über den Klimawandel und die Zukunft der Menschheit austauschte.

„Die Menschheit hat es schon mal geschafft“, sagte Metin Tolan mit Blick auf die Ozonkrise der 70er-Jahre. Ob wir das vergessen haben? Vielleicht ja, antwortet Lesch. Damals habe es sofort eine Lösung gegeben und es sei ein Wettbewerb darum entstanden. Bei der Klimakrise hätten die Profiteure viel Geld in eine politische Gegenbewegung investiert.

„Es gibt eine gewaltige Spannung zwischen dem, was wir wissen und dem was wir tun“, sagt Thomas Kaufmann. „Wir haben vergessen, dass die Basis unserer Spezies in Anpassung besteht. Dem Planeten sind wir ziemlich egal.“ Als Theologe sei er von berufswegen Apokalyptiker. Doch auch eine Apokalypse bleibe nicht ohne Hoffnung.

Bei diesem Stichwort spricht Tolan die aktuell umstrittenen Proteste von Klimaaktivisten an, die sich auf Straßen festkleben und wertvolle Kunst mit Essen bewerfen. „Ich glaube, die Verzweiflung ist echt, aber sie ist kein guter Ratgeber“, sagt Lesch.

Der Klimawandel sei eine Jahrhundertaufgabe. „Aktionismus hilft nicht. Wir müssen einen langen Atem haben“, stimmt Kaufmann zu. Es ginge darum, Fürsorge für die nächsten Generationen zu pflegen.

Aktionismus hilft nicht. Wir müssen einen langen Atem haben.

Thomas Kaufmann

Um sich den Herausforderungen des wärmer werdenden Planeten zu stellen, fordert Lesch einen Austausch aller wissenschaftlicher Fachgebiete, und Menschen aller Religionen und Länder. Der bisherige ökonomische Fokus der Menschheit müsse durch einen ökologischen und sozialen Fokus abgelöst werden.

„Wir haben das Buch geschrieben, weil Information allein nicht ausreicht“, sagt er. Menschen bräuchten ein Narrativ, um die Information besser zu verarbeiten. So basiere das 150-seitige Buch auf sehr persönlichen Erfahrungen und Gesprächen der beiden Autoren.

Ein Konzept, das auch bei der Lesung aufgeht. Die drei Herren auf der Bühne wechseln unterhaltsam zwischen wissenschaftlichen Informationen und persönlichen Anekdoten. Das Publikum lacht und klatscht begeistert. Beim Verlassen des Saals sind angeregte Gespräche über den Klimawandel zu hören. (kim)

Auch interessant

Kommentare