Arzt bestätigte Manipulationen auf Anweisung

Transplantationsskandal: Im Klinikum wurden Blutproben verändert

Göttingen. Im Prozess vor dem Göttinger Landgericht gegen den ehemaligen Leiter der Göttinger Transplantationsmedizin, Dr. O., hat am Montag ein Mediziner ausgesagt, in drei Fällen Blutwerte manipuliert zu haben, die später im Datensystem für Transplantationspatienten gelandet waren.

Er habe im zweiten Halbjahr 2009 auf Anweisung des damaligen und mittlerweile beurlaubten Direktors der Gastroenterologie in der Göttinger Universitätsmedizin (UMG), Prof. R., gehandelt. Damals habe er jedoch nicht vor Augen gehabt, welche Folgen eine Veränderung von Blutwerten für andere Patienten haben könnten.

Professor R. habe den Meld-Score, der die Reihenfolge der Organempfänger auf der Warteliste bestimmt, als nicht geeigneten Indikator für den augenblicklichen Krankheitszustand von schwerkranken Leberpatienten bezeichnet und den lebensrettenden Charakter der Datenveränderung, sprich die so möglich werdende frühere Transplantation, betont. „Das war nachvollziebar“, sagte der Zeuge, Dr. N., der von der Polizei auch als Beschuldigter verhört worden war. Konkret hatte Dr. N. Blutuntersuchungen verändert, indem er eine Probe mit einer doppelten Menge Flüssigkeit aus zwei Röhrchen vermischt hatte.

Lesen Sie auch

Transplantations-Prozess: Patientendaten auf Zuruf geändert

Prozess um Transplantationen: "Ich bin kein Halunke"

So änderten sich Werte, die wiederum einen Einfluss auf den Meld-Score und damit die Organvergabe haben.

Ein anderer UMG-Arzt hatte eine von Prof. R. angewiesene ähnliche Manipulation von Blutproben verweigert. „Ich mache das nicht“, hatte der am Montag ebenfalls als Zeuge geladene Mediziner auf die Anweisung reagiert und danach Kollegen in der entsprechenden Abteilung, wo er zu dem Zeitpunkt gar nicht eingesetzt war, gewarnt. „Ich habe mich darüber echauffiert und musste mit Kollegen darüber reden“, sagte der Arzt. Zudem sei er auch dreimal von Prof. R. beauftragt worden, Labordaten in das Patientendatensystem einzugeben – sogar am Wochenende von zu Hause. „Das war möglich, ich hatte einen Zugang zum System.“ Er habe sich über die Aufträge gewundert sie aber erledigt, sagte der Mediziner aus der Gastroenterologie.

Ein weiterer Arzt, der jetzt im Krankenhaus Neu-Mariahilf in Göttingen arbeitet, hatte bis Sommer 2010 auch mitbekommen, dass ein Kollege einem Patienten Blut abnehmen und die Probe verändern sollte. Die Frage nach einer mögliche Beteiligung des beschuldigten Transplantationmediziners Dr. O. an diesen Fällen bestätigten die drei Zeugen aber nicht. O. habe die Anweisungen nicht gegeben. Der Zeuge Dr. N. sagte aber, dass die Blutwerte in den Transplantationskonferenzen „von den Ärzten hätten bemerkt werden können“. Die Entscheidungskompetenz in den Konferenzen hätte bei Dr. O. und Prof. R. gelegen.

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.