Wunderbare Stadt mit herrlichem Ambiente

Kommentar zur Anziehungskraft von Göttingen: "Besuch lohnt sich"

Thomas Kopietz, Redakteur, Göttingen

Göttingen. Die südniedersächsische Universitätsstadt hat viel: Von Weltklasse-Forscher bis zu einem Riesen-Kultur-Sport-Angebot. Die vergangene Woche ist ein Spiegelbild, meint HNA-Redakteur Thomas Kopietz.

Die Nordhessen und die Südniedersachsen sind ja gerne grenztreu – manche übertreten die grüne Grenze nur selten oder gar nicht. Und das, obwohl die Grenzverletzung lohnenswert wäre.

Der künftige Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler weiß um diese, in einem teilweise grenzenlosen Europa, seltsame Verhaltensweise der Homo Nordhensis und Homo Südniedersachsis. „Wir müssen mehr in die Region wirken“, hat er im Wahlkampf gesagt.

Gleichwohl ist Köhler aber auch angetreten, alte Verhaltensweisen zu attackieren: „Göttingen ist viel besser als es viele Göttinger sehen und sagen“, hat der grundsätzlich positiv gestimmte Mann im HNA-Interview kundgetan.

Doch diesbezüglich sind sich Nordhessen und Südniedersachsen wieder sehr ähnlich: das Schlechte im Guten herauspicken und Pessimismus verstreuen oder aufzählen, was alles nicht funktioniert. Außenstehende wundern sich deshalb nicht selten: Göttingen sei eine wunderbare Stadt mit herrlichem Ambiente, wertete der Freund aus Frankfurt euphorisch. Weggezogene zieht es gern wieder zurück. Warum, das fasste neulich eine Freundin präzise zusammen: „Überschaubare Großstadt mit Kleinstadtambiente, schönem Zentrum, großem Wissenschaft- und Kulturangebot.“

Bliebe nur zu ergänzen: Und erstklassigem Sport – die Basketballer spielen und die Tänzer tanzen in der Ersten Liga! Die Forscher toppen all das, einige spielen dauerhaft in der Champions League, wie der frischgebackene Nobelpreisträger in Chemie, Stefan Hell, sagt. „Am Max-Planck-Institut zu arbeiten, das ist vergleichbar mit einem Fußballer, der bei Bayern München spielt.“ Der Bayern-Kicker überlegt sich deshalb einen Wechsel ins Ausland auch dreimal. Auch Hell hat sogar schon der Weltklasse-Uni Harvard eine Absage erteilt, um in Göttingen weiter zu arbeiten.

In dieser Woche wurde deutlich, was Göttingen zu bieten hat: Weltweites Medien-Echo fand Nobelpreisträger Hell. Die Göttinger Basketballer flimmerten live durchs Internet, und der Träger des Deutschen Buchpreises las erstmalig nach der Vergabe – genau – in Göttingen, beim Literaturherbst.

Am Wochenende waren Tausende unterwegs: Beim Göttinger Literaturherbst mit ausverkauften Veranstaltungen, in der proppevollen Lokhalle beim Reinhard-Mey-Konzert, dazu Samstag eine DT-Premiere und Sonntag fast 3000 Fans in der S-Arena beim Basketball. Ach, ja: protestiert wurde auch noch in großem Stil: Gegen den IS-Krieg. Den künftigen Bürgermeister Köhler freut all das sicherlich.

Viel los also in Göttingen. Der Besuch lohnt sich. Das sollten endlich auch die Göttinger viel öfter ihren Freunden von außerhalb empfehlen – und natürlich auch den so grenztreuen Nordhessen, die können auch gerne die Ahle Wurscht mitbringen.

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