Kommentar zur Kultur-Stadt Göttingen: Fast wie in Berlin

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter Göttingen – die Stadt ist attraktiv als Bühne für die große Politik und die Kultur. Ein Kommentar von Matthias Lohr.

Es war eine ereignisreiche Woche für die Kulturstadt Göttingen. Erst starb Literaturnobelpreisträger Günter Grass, dessen Bücher im Göttinger Steidl-Verlag erscheinen. Dann trafen sich die Spitzenpolitiker der Großen Koalition aus Berlin zu einer Klausurtagung in der Universitätsstadt.     Auch das kann als Kulturereignis gewertet werden. Schließlich haben es die deutschen Sozialdemokraten als einzige Partei der Welt geschafft, jemanden wie Sigmar Gabriel zum „Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs“ zu ernennen, was 2003 geschah und damit fast so lang her ist wie der Literaturnobelpreis für Grass.     Und nun folgte ein Samstagabend, auf den sie sogar in der Kulturmetropole Berlin stolz wären: Mit der zweifachen Echo-Preisträgerin Oonagh trat die Pop-Aufsteigerin des Jahres barfuß in der Stadthalle auf. Zeitgleich gab es im Deutschen Theater nebenan eine Premiere von Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“.

Und eineinhalb Kilometer weiter machte der Graf mit seiner Band Unheilig auf seiner Abschiedstour Station in der Lokhalle.    Dieser Samstag zeigt, wie attraktiv Göttingen ist. Allerdings wird so mancher auch Probleme gehabt haben, sich für ein Ereignis zu entscheiden. SPD-Politiker, die bei Unheilig waren, konnten sich von den Songtiteln für den Politalltag inspirieren lassen, der manchmal so schmerzt, als würde man barfuß über heiße Kohlen laufen. Ein Lied heißt „Wir sind die Gipfelstürmer“, der Hit ist jedoch „Zeit zu gehen.“

Der Kultur-Tag an diesem Samstag ist übrigens keine Ausnahme: Vom 13. bis 15. März gaben sich nacheinander Cro, Peter Kraus und Atze Schröder die in der 7000-Zuschauer-Arena Lokhalle die Ehre. Ein unterschiedliches Programm für ein unterschiedliches Publikum. Auch das passte. Dazu gab es noch eine Premiere im Deutschen Theater. In Göttingen ist es eben öfter fast wie in Berlin.

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