Kommentar zur Single-Stadt Göttingen: Schnell mehr große Wohnungen bauen

Thomas Kopietz

In Göttingen werden weit mehr als die Hälfte der Wohnungen von einer Person bewohnt. Das hat Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz

Göttingen, die junge Stadt, die Stadt der Single-Haushalte: Von den fast 74 000 Haushalten waren 2013 gut 48.000 Single-Haushalte, das sind mehr als 68 Prozent.

Was für Partnersuchende und Alleinstehende verlockend klingt, hat für viele Menschen in Göttingen und darüber hinaus negative Auswirkungen. Weil in so vielen Wohnungen nur eine Person lebt, hat sich der Wohnungsmarkt längst darauf eingestellt. Wird neu gebaut, dann sind es oft Häuser mit vielen 1- oder 2-Zimmer-Appartements, auch für Studierende. Diese Häuser sind fix hochgezogen und bieten viel Ertrag auf verhältnismäßig geringer Grundfläche. Davon sind einige in den vergangenen Jahren aus dem Boden geschossen, vor allem in der Nähe der Universität, auch in der Nordstadt. Dort sind kleinere Ein- oder Zweifamilienhäuser förmlich von gesichtslosen Mehr-Appartementbauten umzingelt worden, was auch Anwohner immer wieder kritisieren.

Das ist die Kehrseite der Bau-Medaille und des anhaltenden Studenten-Booms: Es fehlt in Göttingen an großen 3-,4- und 5-Zimmer-Wohnungen. Ein knapper Markt hat zudem hohe Mieten zur Folge. Familien, die gerne nach Göttingen ziehen würden oder in der Stadt etwas Größeres suchen, finden entweder gar keine Wohnungen oder wenn, dann können sie diese nicht bezahlen. Bei den Miet- und Kaufpreisen von Immobilien liegt Göttingen im Spitzenfeld der niedersächsischen Städte.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, zuvor Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, weiß um die Problematik: Der Bau von bezahlbaren Wohnungen ist das Problem des nächsten Jahrzehnts, das es in Göttingen dringend zu lösen gilt. Daraus resultieren klare Vorgaben und Forderungen an die Bauleitplanung der Stadt: Es muss schnell etwas passieren.

Ein Aufwachen ist auch beim eher schlafmützigen Umgang mit dem Ausweisen von Baugebieten angesagt.

Und am Ende müssen isch die Planer auch die Frage stellen: Was passiert eigentlich mit den 1-Zimmer-Appartements, wenn in 20 Jahren deutlich weniger Studenten in Göttingen lernen werden und es damit auch viel weniger Single-Haushalte geben wird?

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