Kommentar zum Zeiss-Stellenabbau: Weltklasse-Potenzial nicht genutzt

Freitag wurde bekannt: Im Göttinger Zeiss-Werk werden 215 Stellen abgebaut. Das ist auch für die Stadt ein Schlag. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Nein, überraschend kam diese Ankündigung der Zeiss-Zentrale nicht, vielleicht aber die Art und Weise sowie der Zeitpunkt für den massiven Stellenabbau am Standort Göttingen. Kurz vor dem Wochenende sickerte die schlechte Nachricht an die Öffentlichkeit, eine traurige Kunde, für viele, die bei Zeiss arbeiten und gearbeitet haben.

75 Arbeitsplätze waren bereits in Verwaltung und Produktion bei Carl Zeiss Mikroscopy seit 2014 weggefallen, im Februar waren die Zeissianer in Göttingen auf die Straße gegangen – für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze, für Lohnerhöhungen, für bessere Altersteilzeit.

Jetzt ist klar: Die Zeiss-Zentrale will Göttingen nur noch als Produktionsort, nicht aber als Standort für Entwicklung und Innovation behalten. Eben damit aber hatte Zeiss für die Göttinger Niederlassung stets und bis zuletzt geworben. Das klingt vor dem Hintergrund der Nachricht vom Freitag wie blanker Hohn.

Dabei hatte die ehemalige Geschäftsführung in Göttingen oft die in der Stadt hervorragenden Möglichkeiten für ein Miteinander der Forschung in Universität oder Max-Planck-Instituten mit dem Umsetzen der Ergebnisse in der Zeiss-Entwicklungsabteilung betont.

Denn hier gibt es Weltklasse-Forscher – vor allem um den Nobelpreisträger Stefan Hall – die sich mit der Lichtmikroskopie beschäftigen, damit arbeiten, sie revolutioniert haben.

Bleibt die Frage, warum der Linsen-Hersteller von Welruf nicht an der Weltklasse-Forschung vor Ort partizipieren konnte? In der jüngeren Vergangenheit sollen mögliche Kooperationen in diesem Umfeld geplatzt sein. Das hat Folgen für viele Menschen, die hier in Göttingen arbeiten weiter für Zeiss arbeiten wollten.

Der Stellen-Abbau bei Zeiss Mikroscopy trifft aber auch Göttingen: 215 Arbeitsplätze, das sind viele für eine Stadt, die im Segment Entwicklung und Fertigung von Spitzenprodukten nur wenige Unternehmen und eine beschränkte Zahl von Arbeitsplätzen zu bieten hat, aber gerne mehr hätte. Der Oberbürgermeister kommentiert die Entwicklung im örtlichen Zeiss-Werk und für die Stadt so: „Das tut uns weh.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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