Entscheidung fällt im Stadtrat

Kommentar zu geplantem Möbelhaus-Projekt: Die Politik knickt ein

Thomas Kopietz

Göttingen. Der Bauausschuss des Rates hat mit knapper Mehrheit den Weg für die Ansiedlung von XXXL in Göttingen bereitet. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Göttingen. Der Bauausschuss des Rates hat mit knapper Mehrheit den Weg für die Ansiedlung bereitet. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Der Weg scheint frei für die Häuser des Möbelgiganten XXXL/Poco an der A 7-Abfahrt Göttingen. Die enge und zähe Entscheidung zeigt aber auch: Politisch war und ist das Projekt umstritten, auch in den Fraktionen. Sicher nicht leichten Gewissens haben sich manche der Fraktionsabsprache gebeugt, wollten sich wohl auch nicht als Verhinderer einer scheinbar kundenfreundlichen Ansiedlung positionieren.

Fakt ist: Mit dem Beschluss wird der Schutz der Innenstadtsortimente per Einzelhandelskonzept aufgeweicht. Manche können und werden sich fragen: Warum wurde dann überhaupt so lange um das 2014 beschlossene Einzelhandelskonzept gekämpft, um es beim erneuten Auftauchen von Möbelgiganten – IKEA war ja auch schon mal im Gespräch – wieder zu kippen? Innenstadthändler verstehen dieses Vorgehen nicht – und sicher auch nicht alle Kunden.

Manche von ihnen werden sich aber die Hände reiben, neue Möbelhäuser mit günstigen Preisen schaffen mehr Konkurrenz mehr Auswahl, was möglicherweise den Geldbeutel schönen würde.

Allerdings ist diese Konkurrenz übermächtig. Die mittelständischen Häuser von Witzenhausen über Uslar, Northeim, Göttingen bis Gieboldehausen können weder in Sachen Werbebudget, noch bei der Preisgestaltung mithalten. Sie können aber ihre Nähe zum Kunden und ihren Service in die dennoch wohl kippende Waagschale werfen.

Die Göttinger Häuser mussten und müssen sich vor Ort bisher streng an die Vorgaben des Einzelhandelskonzeptes halten. Ein neuer Großinvestor darf nun deutlich mehr Verkaufsfläche mit „Innenstadtwaren“ anbieten. Das ist und bleibt kein Fairplay.

So ist die Entscheidung letztlich ein Einknicken vor dem Möbelriesen und den Projektbetreibern vor Ort.

Begründet wurde das Ja auch damit, dass XXXL bei weniger Fläche für besagte Sortimente nicht nach Göttingen kommen würde. Aber: Das Verhalten von XXXL andernorts, wo ebenfalls innenstadtrelevante Sortimente begrenzt sind, stützt dieses Argument nicht. Der Möbelriese akzeptierte auch schon 800 Quadratmeter Fläche für das „Innenstadtwaren-Angebot“.

Bleibt die spannende Frage: Blasen nun die Nachbarkommunen und Möbelhäuser aus Göttingen und der Region zur Attacke? Möglichkeiten gäbe es: Northeim hält als Kommune eine Klage gegen die Stadt Göttingen für durchaus möglich. Die Möbelhäuser könnten gar eigene Projekte oder ein großes Gemeinschaftshaus planen – mit dann wohl auch veränderten Rahmendaten.

Die Innenstadt-Geschäfte aber würden auch davon nicht profitieren. Sie könnten also die großen Verlierer sein. tko@hna.de

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