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Kommentar zu „Oben ohne“ in Göttinger Schwimmbädern: Es geht um Toleranz

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Von: Thomas Kopietz

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Es bleibt dabei: Oben-ohne-Baden bleibt auch über den August hinaus an den Wochenenden in Göttingens Bädern für alle möglich. Die Göttinger Sport und Freizeit GmbH hält an dem Angebot fest.	(Archivfoto)
Es bleibt dabei: Oben-ohne-Baden bleibt auch über den August hinaus an den Wochenenden in Göttingens Bädern für alle möglich. Die Göttinger Sport und Freizeit GmbH hält an dem Angebot fest. (Archivfoto) © Annette Riedel/dpa

In Göttinger Schwimmbädern gilt aktuell die „Oben-ohne“-Regel für alle. Das sorgt für Diskussionen. Dazu ein Kommentar.

„Oben ohne“ ins Schwimmbad in Göttingen: Die bundesweit einmalige Testphase, die mit dem 1. Mai in Göttinger Bädern begonnen hat, neigt sich dem Ende entgegen. Und soviel ist bereits sicher: Auch über den August hinaus wird es in der Uni-Stadt „Oben ohne“ weiter gehen - dazu ein Kommentar von HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz:

Dieses Medienecho hatte Göttingen zuletzt 2020 beim bundesweit ersten Corona-Massenausbruch in einem Wohnhochhaus: Im Frühjahr 2022 legte die Uni-Stadt nach – selbst initiiert. Die politischen Gremien beschlossen eine Gleichbehandlung: Was Männern seit Langem erlaubt und Frauen wie durch den „Zwickelerlass“ aus 1932 untersagt ist, das Baden und Schwimmen mit freiem Oberkörper, gilt seit Mai in öffentlichen Göttinger Schwimmbädern.

HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz.
HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz kommentiert die „Oben ohne“-Regelung. © Privat

So viel Freizügigkeit sorgte – erwartungsgemäß – für Diskussion in der Stadt und sogar für Aufsehen in In- und Ausland. Göttingen wurde zur Stadt, in deren Bädern massenweise Menschen allen Geschlechts oben-ohne schwammen. So war es aber nicht, die Resonanz sehr überschaubar.

Aber eine solche Medienwirksamkeit in TV, Radio, Zeitungen und Social-Media-Kanälen hätten sich Stadt und zuständige Sport- und Freizeit GmbH (GoeSF) niemals leisten können, frohlockten Verantwortliche hinter vorgehaltener Hand.

Göttingen steht mit der Neuregelung auch in einer Tradition, gilt sie doch besonders seit der Uni-Gründung 1737 und mit aufmuckenden, fortschrittsorientierten Professoren gesegnet als kritisch, weltoffen und tolerant.

Um Toleranz geht es auch bei der Akzeptanz der Oben-Ohne-Baderegelung, aber auch um Gerechtigkeit in Zeiten einer sich öffnenden Gender-Gesellschaft, in der queeres Denken stärker akzeptiert wird. Göttingen ist diesbezüglich weit. Das Oben-Ohne-Baden, das auch von Queeren erstritten und erkämpft worden ist, verstärkt das Göttingen-Bild. Die Protagonisten sollten aber auch Kritiker ernstnehmen, die darauf verweisen, dass nur wenige die Freiheit nutzen. Aber letztlich tragen Debatten und ein fairer Streit auch zur Meinungsbildung und breiteren Akzeptanz bei.

Die Absicht jedenfalls, Oben ohne für alle in Bädern an bestimmten Tagen weiterzuführen, ist richtig. Und sie wird erneut für eine Medienpräsenz sorgen sowie als Beispiel für andere Städte wie Hamburg dienen, ebenfalls das Baden „mit ohne“ Kleidung am Oberkörper – wie es kleine Kinder nennen würden – freizugeben.

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