Zählstellen: weniger Radfahrer

Kommentar zu Piraten-Kritik: Göttingen ist nicht fahrradfeindlich

Göttingen. Die „Piraten“ kritisieren die Stadtverwaltung wegen einer fahrradfeindlichen Verkehrspolitik. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Die Leuchtanzeigen der beiden Zählstellen am Göttinger E-Radschnellweg springen seit der Installierung 2015 nicht mehr ganz so schnell um. Den Rückgang der gezählten Fahrer auf dieser Rad-Autobahn in Göttingen werten die Piraten als dramatisch – und schießen damit deutlich über das Ziel begründeter Kritik hinaus.

Zunächst einmal: Radverkehr ist mehr als das Vorbeifahren an zwei Zählstationen entlang eines gut fünf Kilometer langen Weges vom Bahnhof bis zum Nord-Uni-Campus. Das Radwegenetz in Göttingen ist viel dichter. Verlässliche Rückschlüsse auf weniger Radfahrer ließen sich erst treffen, wenn regelmäßig flächendeckend gezählt würde.

Die Stadt nennt plausible Gründe für die leichten Rückgänge an den Zählstationen: Die Einführung des Bus-Semesterticket hatte sicher einen Einfluss. Aber: Klimapolitisch ist es höchst sinnvoll, wenn die ohnehin fahrenden Busse auch und noch stärker von Radumsteigern genutzt werden.

Mehr als eine Million Radfahrer auf ihrem Highway pro Jahr – das ist jedenfalls noch eine stattliche wie erfreuliche Zahl. Ebenso, dass weniger Unfälle mit Radfahrern auf den breiten, mit Vorrechten verbundenen E-Radschnellweg-Trassen passieren, wie die Polizei sagt.

Die Stadtverwaltung als fahrradfeindlich zu bezeichnen, ist eine maßlose Kritik. Sie war es schließlich, die – natürlich auch angespornt von satten Fördergeldern – den Bau des E-Radschnellweges als bundesweites Pilotprojekt an Land gezogen hat und Realität hat werden lassen. Viele Radler fahren jedenfalls sehr gerne dort, fühlen sich sicher und wünschen einen Weiterbau der Radler-Autobahn.

Die Piraten sollten also wieder zu einer fundierten, zielführenden Kritik, wie im Straßen- und Radverkehr mehrfach vorgebracht, zurückkehren. Denn – und da haben die Piraten recht – es gibt auf den Göttinger Straßen noch viel zu verbessern. Auch der E-Radschnellweg muss an Kreuzungen wie dem Weender Tor noch sicherer mit dem Auto- und Fußgängerverkehr verzurrt werden. Da sollte die Stadtbauverwaltung ruhig noch einmal gezielt hinschauen – und auf die Piraten hören.

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