Zur Zukunft der Universitätsmedizin

Kommentar zum Göttinger Klinikum-Neubau: Besser als Stückwerk

Göttingen. In dieser Woche stellte die Universitätsmedizin Göttingen einen modifizierten Generalentwicklungsplan vor. Eine logische Entscheidung, kommentiert Thomas Kopietz, Leiter der Lokalredaktion Göttingen.

Vor einem Jahr hat die Universitätsmedizin Göttingen unter dem Titel „UMG 2020“ bezüglich der Bausubstanz notiert: „Wir stehen erneut am Scheideweg.“ Übersetzt hieß das: Das 40 Jahre alte Klinikum ist am Ende. Die Wegscheide liegt noch nicht ganz hinter dem UMG-Vorstand. Aber er hat den Blinker für das Abbiegen auf einen neuen Kurs gesetzt: Komplett-Neubau.

Das ist keine wirkliche Überraschung, aber eine logische Entscheidung: Die Göttinger Uni-Klinik soll neu gebaut werden. Vorstand, Planer, Gutachter und Ministerin sind sich einig, denn letztlich wäre nur der Rohbau des Hauptgebäudes verwendbar, und selbst der wäre nicht mehr zeit- und schon gar nicht zukunftsfähig. Laut Berechnungen wäre der Neubau auch um mehrere hundert Millionen Euro günstiger als eine Sanierung mit Umbau.

Ein Komplettneubau bietet die einmalige Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen, die Zukunft neu zu planen. Das ist besser als Stückwerk – wie jeder Häuslebauer weiß. Schon jetzt gab es in Mitarbeiterkreisen ob der Planung im Falle des Umbaus Bedenken. Nun können die Bedürfnisse besser integriert werden.

Die Bedingungen jedenfalls für Konzeption und Bau sing gut: Das Gelände gehört der Stiftung Universitätsmedizin – ein entsprechend großes Gelände wäre in Göttingen wäre schwer verfügbar und müsste durch alle Bauleitplanungen, was viel Zeit kosten würde.

Risiko Bauzeit

Das 15-Jahre-Projekt aber birgt auch Risiken, schon wegen der Bauzeit. Denn die Medizin ist aktuell umwälzenden Veränderungen unterworfen, siehe High-Tech-Methoden und Robotereinsatz. Die jetzige Generalplanung wird sich im Laufe der Jahre überholen. Land und UMG-Vorstand setzen deshalb – und das ist weitsichtig gedacht – auf flexible Pläne und Beiräte mit Experten, damit 2033 ein moderner Klinik-Campus für Krankenversorgung und Forschung auf dem klinikeigenen Gelände steht.

Sinnvolle Geldausgabe

Kritiker mögen sich zudem über die enormen Kosten oder den Bau-Ablauf aufregen. Sie sollten aber bedenken, dass in einem Krankenhaus, einem Uni-Klinikum, viele Menschen täglich ihren wertvollen Dienst für andere Menschen tun. Ihnen – mithilfe von Steuergeld – vernünftige Arbeitsplätze und den Patienten eine gute Versorgung zu schaffen, das ist mindestens so wichtig, wie Geld in den Ausbau und Erhalt von Straßen zu stecken.

Aber: Die Klinik-Verantwortlichen müssen sich auch der Kritik stellen, dass die Personaldecke in manchen Bereichen zu dünn ist, die Arbeitsbelastung für eine älter werdende Belegschaft zu hoch – vor allem in Pflege- und Therapieberufen.

Eine Neustruktur der UMG mit wohl auch finanziell verbesserten Möglichkeiten sollte sich deshalb unbedingt auch für die Menschen, das Personal, positiv auswirken. Der Qualität wäre das sicher nicht abträglich.

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