Deutsches Theater Göttingen wünscht konstantere Unterstützung

Angebliche Ungleichbehandlung: Städtische Theater sehen sich benachteiligt

Göttingen/Osnabrück. Streitpunkt Theaterförderung in Niedersachsen: Städtische Bühnen sehen sich bei der finanziellen Unterstützung des Landes gegenüber den Staatstheatern deutlich benachteiligt.

Das unterstreicht ein Gutachten des Osnabrücker Staatsrechtlers Jörn Ipsen. Dies könnte auch für das Deutsche Theater in Göttingen Konsequenzen haben.

Knackpunkt von Ipsens Gutachten ist der Artikel 72 der Niedersächsischen Verfassung. Demnach gehören die Staatstheater in Hannover, Braunschweig und Oldenburg zu den „überkommenden heimatgebundenen Einrichtungen“ und bedürften aus Sicht des Landes deshalb einer besonderen Förderung. Laut Ipsen fielen jedoch nicht nur die drei großen Theater unter den Schutz von Artikel 72, sondern „große Teile“ der gesamten niedersächsischen Theaterlandschaft.

In Auftrag gegeben haben das Gutachten die Städte Osnabrück, Lüneburg und Hildesheim. Mitgetragen wird es von Celle, Wolfenbüttel und Wolfsburg, die ebenfalls kommunale Bühnen betreiben. Das Deutsche Theater (DT) in Göttingen hat sich auf Empfehlung der Stadt nicht an dem Gutachten beteiligt, obwohl es von einer Neureglung profitieren könnte. Auf Nachfrage teilte das DT mit: „Das heißt aber nicht, dass das Deutsche Theater in Göttingen nicht auch gegen eine Ungleichbehandlung der kommunalen Theater ist.“

Zum Vergleich: Laut eigenen Angaben erhält das DT vom Land Niedersachsen über den Zuschussvertrag jährlich rund 2,5 Millionen Euro (plus Ausgleich der Tarifsteigerungen). 2016 und 2017 kamen jeweils knapp 100 000 Euro für zusätzliche Projekte zur Stärkung der lokalen Kulturarbeit hinzu. Das Staatstheater in Hannover werde mit rund 66 Millionen Euro im Jahr 2017 hingegen zu 100 Prozent vom Land getragen, kritisiert Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, einer der Initiatoren des Gutachtens.

Sein Hildesheimer Kollege Ingo Meyer erklärt: „Die Landesregierung ist nun aufgerufen, die Ungleichbehandlung im Land zu beenden und die kommunalen Häuser weiter zu fördern.“ Für das DT wäre auch noch etwas anderes wünschenswert: „Wir wünschten uns, dass die Kulturförderung weg von den freiwilligen Leistungen führt und damit hin zu einer konstanten Unterstützung, unabhängig von der wirtschaftlichen Situation. So könnte der kulturelle Standard im Land garantiert gehalten werden“, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung.

Rubriklistenbild: © Archivbild Kopietz

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