Mehr Mitbestimmung für die Mieter

Konflikt um Wohnheim Humboldtallee 9: Studentenwerk schwenkt ein

Streit ist geschlichtet: Jörg Magull, Prof. Dr. Hubert Merkel, Vorstandsvorsitzender, und Jens Vinnen der Abteilung für studentisches Wohnen im Göttinger Studentenwerk sind froh, dass der Konflikt ein Ende hat.

Göttingen. Der Streit zwischen Mietern und Studentenwerk als Vermieter des Wohnheims Humboldtallee 9 ist beendet: Man habe eine geeignete Lösung gefunden, teilte das Studentenwerk am Freitag mit.

„In vier ausführlichen Gesprächen und zehn Stunden haben wir uns geeinigt“, sagt Prof. Dr. Jörg Magull, Geschäftsführer des Studentenwerks.

Warum kam es jetzt doch zur Einigung? 

Auch, weil es den Hinweis von Außen gegeben habe, wie Magull sagt. Nach HNA-Informationen waren auch der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Christoph Lehmann und die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta involviert und hatten gefordert, aufeinander zuzugehen. Mit Erfolg: Jetzt einigten sich die Lager schnell, schneller als erwartet – in einer harmonischen Sitzungsatmosphäre

Was führte im Ergebnis zur Einigung? 

Das Mitbestimmungsrecht bei Neuvermietungen wird für die bereits dort wohnenden Studierenden erweitert und gleichzeitig bleibt das Vermietungsrecht beim Studentenwerk. Laut Studentenwerk haben alle Mieter der Humboldtallee durch ihre Unterschrift deutlich gemacht, dass sie mit den Regeln einverstanden sind.

Die Mieter hatten mehr Selbstbestimmung – auch bei der Auswahl künftiger Mieter gefordert – was ist daraus geworden? 

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Die Bewohner und Initiativen hatten einen Verein als Träger vorgeschlagen. Zu dieser Konstruktion kommt es nicht. Aber: Künftig können die Wohngemeinschaften mitentscheiden, wer in die Wohnung einzieht. Ein Wohnheim-Belegungsausschuss wird sich die Bewerbungen für neue Mieter einer kompletten Wohnung ansehen und eine Aufnahmeempfehlung geben, der das Studentenwerk folgt. Zudem können sich Haussprecher an der Planung von Sanierungs- und Instandhaltungarbeiten beteiligen. Gemeinsam wollen Mieter und Studentenwerk Entscheidungen für das Haus treffen, damit das Studentenwerk das begrenzte Budget zielgerichtet einsetzen kann. So klärt eine Satzung die Arbeit der Selbstverwaltung. Einmal pro Semester werden alle Haussprecher eingeladen, um mit ihnen zu besprechen, was in den Wohnheimen passiert. Mehr als 300 Ehrenamtliche kümmern sich so in Göttingen um die wichtigen Aufgaben für 4500 Wohneinheiten.

Was sagt die Wohnrauminitiative, die öffentlich Druck gemacht hatte?  

Streitobjekt: Die Hausgemeinschaft des Studentenwohnheims Humboldtallee 9 in Göttingen lag im Clinch mit dem Studentenwerk. Jetzt scheint der Streit beendet zu sein.

Man freue sich, dass der öffentliche Druck ausgereicht habe, um das Studentenwerk in Bewegung setzen zu können. Die Wohnrauminitiative ist sehr zufrieden, weil die Hausgemeinschaft nun über neue Mieter und sogar Investitionen mitentscheiden können. ? Was sagt das Studentenwerk? ! Die Verantwortlichen zeigen im Nachhinein plötzlich viel Verständnis: Wer auf engstem Raum zusammenlebt, will wissen, mit wem er sich die Duschen und Toiletten im Keller teilt, sagen Prof. Dr. Hubert Merkel, Vorstandsvorsitzender, und Jens Vinnen, Abteilung für studentisches Wohnen. „Selbstverwaltung, wie wir sie verstehen, kann sich jetzt verwirklichen.“ Das vorherige Vorgehen bleibt aber fraglich.

Welche Aufgabe hat das Studentenwerk generell in Bezug auf studentisches Wohnen? 

Das Studentenwerk hat per Gesetz den Auftrag, Wohnheimplätze nur an Studierende zu vermieten. Um das zu gewährleisten, gilt ein vom Gesetzgeber vorgesehenes besonderes Mietrecht. Es sieht vor, dass sich Studierende nach ihrem Studium nicht als Dauermieter in die Wohnung einklagen können. Somit wird verhindert, dass ehemalige Studierende Wohnheimplätze blockieren und die wartenden Studierenden leer ausgehen. „Uns war wichtig, die jetzigen Mieter auf diese Problematik aufmerksam zu machen und auch weiter als alleiniger Vermieter zu fungieren“, sagt Jörg Magull. (tko/mtg)

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