Göttinger Musik-Festival mit 75 Veranstaltungen

„Konflikte“ sind bei den Händel-Festspielen 2018 Programm

Zwei Kapazitäten und ein Großer: Laurence Cummings (Mitte), musikalischer Leiter der Göttinger Händel-Festspiele und Tobias Wolff, geschäftsführender Intendant – stellten in der Kunstsammlung der Universität Göttingen das Programm und Motto „Konflikte“ des Festivals 2018 vor, während der Meister – Georg-Friedrich Händel – interessiert zuschaute. Foto: Kopietz

Göttingen: Das Programm der 98. Händel-Festspiele in Göttingen steht: Die Festspieloper heißt "Armenio". DT-Intendant Erich Sidler führt Regie. Los geht es am 10. Mai.

„Konflikte“ ist das Programm der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen 2018 überschrieben, die vom Himmelfahrtstag, 10. Mai, bis zum Pfingstmontag, 21. Mai mit 75 Veranstaltungen in Göttingen und einigen Orten der Region stattfinden.

Riss im deutsch-Britischen Verhältnis

Das fein gemachte Programmheft jedenfalls zeigt einen aktuellen Konflikt von weltpolitischer Bedeutung direkt auf: Ein tiefer Riss geht durch die Flagge Union Jack und die Brust des einstigen Königs von Hannover und Großbritannien. 2014 zierte dasselbe Bild das Programmheft der Händel-Festspiele – damals sollte das Verbindende zwischen den Königshäusern Hannover und Britanniens symbolisiert werden. Titel der Festspiele 2014: „Herrschaftszeiten – Händel Royal“.

Festspiel-Oper "Armenio": Bisher selten gespielt

Damals spiegelte die Festspiel-Oper „Faramondo“ das Beziehungsgeflecht zwischen Königshäusern wieder, das beinahe in kriegerischen Auseinandersetzungen geendet hätte. Heute, 2018, steht die kommende Festspiel-Oper „Armenio“ für den Titel „Konflikte“, hier die Varusschlacht im Teutoburger Wald, aber auch für politische Winkelzüge und Differenzen im Familiären.

Am Freitag stellten der Künstlerische Leiter Laurence Cummings und der Geschäftsführende Intendant Tobias Wolff das Programm vor. Cummings leitet das Festspiel-Orchester und kreiert das musikalische Gerüst für die Festspieloper, die als „szenische Aufführung in italienischer Sprache“ angekündigt ist.

DT-Intendant Sidler führt Regie

Die Regie führt ein Bekannter: Erich Sidler, Intendant am Deutschen Theater in Göttingen. Er will weniger die Varusschlacht, als vielmehr die großen inneren und äußeren Konflikte – auch in den Familien. Und er will den Mythos um Armenius nicht zerstören. Premiere für die selten aufgeführte Oper „Armenio“ ist am Samstag, 12. Mai. Danach wird es fünf weitere Aufführungen im DT geben sowie das kostenlose Public Viewing am Donnerstag, 17. Mai, in der Lokhalle.

Weiterer Höhepunkt: Opulente Chorwerke Händels

Einen weiteren Schwerpunkt der Festspiele bilden opulente Chorwerke Händels über kriegerische Auseinandersetzungen, siegreiche Schlachten und gefeierte Friedensschlüsse. Das Oratorium „Judas Maccabaeus“ mit Kenneth Tarver bildet in der Stadthalle den Festspielauftakt am Donnerstag, 10. Mai.

Tolle Künstler im Gala-Konzert

Ebenfalls im Galakonzert singt die international gefragte Diana Moore den Herakles in The Choice of Hercules. Auch auf namhafte Instrumentalisten sowie Ensembles darf sich das Publikum freuen: Midori Seiler und Christian Rieger spielen ebenso in der Uni-Aula wie Giovanni Antonini und Ottavio Dantone.

Crossover bei „Händel Goes Pop“

Und es gibt Crossover: Dafür stehen Laura Moody und das Ensemble Virévolte mit Händel goes Pop. „Das zeigt die Breite im Programm“, sagt Sebastian Wolff.

Ein Höhepunkt ist wieder die Familienfassung der Oper am Ostermontag, 21. Mai). Im vergangenen Jahr kamen mehr als 500 junge Menschen, um dieses tolle Erklärstück zu sehen und hören. „Ein tolles Zeichen“, sagte Sparkassenchef und Sponsor Rainer Hald, bei der Programmvorstellung.

Apropos Geld: Der Gesamtetat für die Festspiele liegt bei etwa 1,8 Millionen Euro.

KeineN Konflikt im Zusammenspiel vor Ort

Alles andere als konfliktreich ist die Zusammenarbeit bei den Händel-Festspielen in der Göttinger Kunstszene, was die Regiearbeit des DT-Intendanten Sidler widerspiegelt. Man arbeitet zusammen.

Nicht ganz konfliktfrei: Sanierung der Stadthalle

Nicht ganz konfliktfrei ist das Verhältnis mit der Stadt. Denn genau zum 100-Jährigen der Händelfestspiele wird die Stadthalle saniert, ist nicht bespielbar. Eben das wollte Händel-Chef Tobias Wolff unbedingt vermeiden. Die Stadtpolitik vollbrachte es, genau dann zu sanieren. Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler versprach am Freitag, alles dafür zu tun, das adäquate Spielstätten zur Verfügung stehen werden – zur Feier des Hundertjährigen.

Cummings und der Brexit in England

Not amused ist der Londoner und Händelfestspiele-Musik-Direktor Laurence Cummings über den Konflikt Brexit. Er hätte lieber das Coverfoto des Festspielheftes in der Fassung von 2014 erneut auch 2018 gesehen. „Der Brexit macht mich und viele Briten wütend“, sagte Cummings bei der Programmvorstellung.

Kartenverkauf startet am 29. Januar

Karten gibt es ab dem 29. Januar unter www.haendel-festspiele.de sowie in der Tourist-Info im Alten Rathaus und im Deutschen Theater oder im Internet bei allen an Reservix angeschlossenen Vorverkaufsstellen. (tko)

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