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Premiere: Junges Theater zeigt „König Korzcak oder Wenn ich wieder klein bin“

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Von: Melanie Zimmermann

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Die JT-Schauspieler Agnes Giese, Jan Reinartz und Dorothea Röger unter dem Mahnmal am Platz der Alten Synagoge.
Das offizielle Plakatmotiv zu „König Korczak“: Die JT-Schauspieler Agnes Giese, Jan Reinartz und Dorothea Röger unter dem Mahnmal am Platz der Alten Synagoge. © Jochen Quast/JT

Im Jungen Theater Göttingen wird am Freitag, 29. April um 20 Uhr, „König Korczak oder Wenn ich wieder klein bin“ uraufgeführt.

Göttingen – Janusz Korczak gilt als einer der wichtigsten Pädagogen des 20. Jahrhunderts. Unter den lebensfeindlichen Bedingungen des Nationalsozialismus leitete er im Warschauer Ghetto (Polen) ein Waisenhaus und setzte sich unermüdlich für die Rechte der Kinder ein. Er begleitet sie – freiwillig – bis in den Tod. Seine Geschichte kommt nun auf die Theaterbühne des Jungen Theaters (JT). Uraufführung ist am Freitag, 29. April um 20 Uhr.

„König Korczak“: Stück sollte bereits vor zwei Jahren auf die Bühne kommen

„Endlich kommen nach und nach auch die Stücke auf unsere Bühne, die eigentlich schon vor zwei Jahren gespielt werden sollten“, erzählt JT-Intendant Nico Dietrich im Pressegespräch. Ursprünglich sollte die Inszenierung bereits in der Spielzeit 2019/2020 uraufgeführt werden, „aber dann kam eben Corona.“

„König Korczak oder Wenn ich wieder klein bin“ ist ein Stückauftrag anlässlich des 80. Todestages von Janusz Korczak. 2018 gab es im JT eine Szenische Lesung zu Erwin Sylvanus „Korczak und die Kinder“. Daraus entwickelte sich der Wunsch, das Thema weiter zu bearbeiten.

Pressegespräch im Foyer des Jungen Theater in Göttingen.
Gaben im Pressegespräch Einblicke in die Inszenierung: JT-Dramaturgin Isabelle Küster und Regisseur Sascha Mey mit Intendant Nico Dietrich. © Melanie Zimmermann

„Wir konnten den renommierten Christoph Klimke als Autor für ein Theaterstück zu Korczak gewinnen – und Sascha Mey als Regisseur“, so Dietrich zur Entstehung.

Klimke entwirft in seinem Stück die Lebenswelt von Janusz Korczak. Eine Welt der kindlichen Unbeschwertheit, der Phantasie und der Rechte für Kinder.

Dem entgegen steht ein System der Gewalt, der entfremdeten und misshandelten Körper. Gehorsam, Drill, Disziplinierung. Klimke taucht tief in die deutsch-jüdische Geschichte ein. „Mein erster Eindruch war, dass es eine sehr triste Zeit ist, die in dem Stück beschrieben wird“, sagt Sascha Mey.

„König Korczak“: Erinnerungen an die eigene Kinder- und Jugendzeit

Das Stück setzt ein kurz vor der Deportation Korczaks. Er erinnert sich zurück an seine Kindheit, an die Jugendzeit. Der Zuschauer erfährt Hintergründe aus dem Leben Korczaks, die erklären, woher das Streben nach Demokratie kommt. Immer wieder tauchen alptraumhafte Sequenzen im Stück auf, die Mey durch verschiedene Bilder und interessante Spielweisen darstellen lässt.

Das Bühnenbild, von Jörg Brombacher entworfen, spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Es ist besonders variabel und biete damit die Möglichkeit, auf vielen verschiedenen Ebenen die Geschichte zu erzählen, so Mey.

Insgesamt sei die Inszenierung immer wieder gespickt mit kleinen, surrealistischen Sequenzen, um die Erinnerungen Korczaks an sein Leben darzustellen. Dazu würden unterschiedliche Mittel eingesetzt, wie zum Beispiel Schattenspiel.

Braucht es eine Vorbereitung, um das Stück zu schauen? „Es kann nicht schaden zu wissen, um wen es sich bei Janusz Korczak handelt“, erklärt Sascha Mey. Letztendlich brauche es aber nicht mehr. Es sei ihnen gelungen, das Stück von Klimke so zu inszenieren, dass es eine klare Geschichte erzählt, die greifbar ist. (Melanie Zimmermann)

Zur Person

Sascha Mey wurde 1987 in Salzwedel geboren. Seine ersten Erfahrungen sammelte er als Schauspielschüler am Südthüringischen Staatstheater Meiningen. Dort traf er die Entscheidung zum Wechsel in die Regie. Im N.e.k.s.t. Kunsthaus entstanden erste eigene Arbeiten. 2008 wechselte Mey an das Theater Osnabrück als Regieassistent.

2010 folgte ein Engagement am Theater Krefeld/Mönchengladbach. Dort entstanden weitere fünf Stücke. 2017 inszenierte er „Der gute Mensch von Sezuan“ im Rahmen des Theatersommers Netzeband. Es folgten diverse Festspielarbeiten, bis Mey 2019 als Hausregisseur an das Theater Pforzheim wechselte. Dort ist er bis heute tätig.

Zur Person

Christoph Klimke wurde 1959 in Oberhausen geboren und wuchs in Kleve auf. Er studierte Germanistik und Italianistik in Bonn und Florenz. Heute lebt er als Schriftsteller in Berlin und Heidelberg. Er veröffentlicht Lyrik, Prosa, Essays, Theaterstücke sowie Opern- und Tanzlibretti. In regelmäßigen Abständen lebt er in Italien, hat Literatur aus dem Italienischen übersetzt und vielfach zum Leben und Werk von Pier Paolo Pasolini publiziert.

Seit Beginn der 1990-er Jahre arbeitet er mehr und mehr für das Theater als Autor, Librettist, Dramaturg und schreibt Drehbücher für Dokumentarfilme. Seit 1996 arbeitet er regelmäßig mit dem Choreografen Johann Kresnik zusammen. Klimkes Werk ist mehrfach ausgezeichnet worden.

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