Polizei vermutet hohe Dunkelziffer

Auch in Südniedersachsen Thema: Korruption nicht nur bei FIFA

Landkreis Göttingen. Korruptionsvorwürfe werden derzeit vor allem mit FIFA-Präsident Sepp Blatter und einigen seiner Unterstützer in Verbindung gebracht. Doch Korruption ist auch in Südniedersachsen ein Thema, wenn auch die Zahl der Delikte gering ist.

In der Polizeidirektion Göttingen (PD) liegen die Fallzahlen bei Korruptionsdelikten eher niedrig. Das liegt daran, dass die Ermittler auf das Anzeigeverhalten der Bürger angewiesen sind, heißt es bei der PD. Die üblichen Wege zur Einleitung von Ermittlungen in diesem „Phänomenbereich“ seien Anzeigen oder aber häufig auch „vorliegende Verdachtslagen, die nach Betriebsprüfungen durch die Finanzbehörden entstehen“. 2014 sei in acht herausragenden Korruptionsfällen ermittelt worden. Der jüngste spektakuläre Ermittlungsfall hängt mit dem Transplantationsskandal an der Göttinger Universitätsmedizin zusammen. Die Sonderkommission „Leber“ ermittelte über zwei Jahre auch wegen Korruptionsverdachts.

Die Polizei geht von einem hohen Dunkelfeld bei Korruption aus, das heißt Taten, die nicht bekannt werden. „Gerade der Umstand, dass bei der Korruption kein individueller Geschädigter in Erscheinung tritt, führt dazu, dass die Täter häufig ihr kriminelles Handeln als bloße Regelverstöße verharmlosen und bagatellisieren“, erklärt Polizeidirektor Klaus Häuser: „Fest steht aber, dass durch korruptes Verhalten enorme wirtschaftliche Schäden entstehen können, die letztlich zu Lasten aller gehen.“ Die Täter handelten in der Regel aus reinem Gewinnstreben.

Beamte der PD ermittelten auch, als 2006 eine anonyme Anzeige bei Staatsanwaltschaft Göttingen einging. 2009 wurden deswegen ein Fahrlehrer aus der Region und ein Tüv-Mitarbeiter zu Bewährungsstrafen verurteilt, weil sie Profifußballern auf unlautere Weise Führerscheine beschafft hatten. Bei den Fußballstars war auch der frühere Bremer Kicker Diego. (awe)

Rubriklistenbild: © dpa

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